Notizen aus der Provinz

Dienstag, 26 August, 2008

Blogereiblockade

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 22:29

Es kommt nichts.
Es kommt überhaupt nichts.
Da sitzt man im Biergarten und wartet auf einen Gedanken. Nur einen einzigen. Für den eigenen Blog.
Aber es kommt einfach nichts.
Doch. Die Bedienung kommt. Und bringt was. Den Mass eisgekühlte Spezie. Aber sonst nichts.

Und dann kam er.
Von der anderen Straßenseite her.
Wie ein Maikäfer.
Wie bei Polt.
Zuerst hat er sich aufgepumpt. Und dann sah ich ihn sich in die Lüfte erheben. Ein wenig unsicher. Nach links, nach rechts schwankend. Aber dann zielstrebig. Die Straße direkt überquerend. Direkt auf mich zu hielt er. Er propellerte sich immer näher. Er hatte den Mittelstreifen erreicht. Ich konnte schon den Odem des Gedanken spüren. Das dumpfe flatternde Geräusch wie er sich näherte. Und dann kurz bevor er den rettenden Bürgersteig erreicht hatte, …

woooooosch

… kam der Porsche. Es machte ein knuspriges Knatsch und der Gedanke zermaschte auf der Windschutzscheibe des schwarzen davonhastenden Porsches.

Und wieder sass ich da und wartete.
In den Bierkrup mit meiner Spezie schaute ich. Und entdeckte nicht den Hauch eines Gedankens.
Luftbläschen sprudelnd spritzend befeuchteten mein Gesicht. Aber kein Gedanke meine Phantasie.
Die feuchten Kohlensäurespritzer meiner Spezie auf meiner Gesichtshaut, das waren wie Wassertropfen auf den heißen Steinen einer Wüste. Darauf konnte nichts wachsen.

Elende Ödnis.
Kein anregender Gedanke weit und breit.
Nicht mal eine holde weibliche Muse lachte mir ins Gesicht.
Nichts aber auch gar nichts.

Und dann diese Musik.
Dieser Ohrwurm.
Und jener Süd-Waliser Paul Potts.
Wahre Blogger kannten den schon, als der gerade seine ersten Töne der Turandot-Arie “Nessun Dorma” von Puccini hervor quetschte, dann in Folge Publikum und Juroren zu Beifallsstürmen hinriss.
Wahre Blogger mussten beim ersten Ausstrahlen der “Deutschen Telekom”-Werbung nur gähnend schreiben: “Im Westen nichts neues.”

Alle anderen waren beeindruckt und begeistert und schauten zum ersten Mal die Dokumentation im Internet auf Youtube.com an.
Kriegten das Gänsehaut-Feeling nachträglich.
Bei jedem erneuten Schauen.
Und schauten schon bei der Telekom-Werbung schon nicht mehr bis zum Ende, um jenes Telekom-Dschingel mit dem verdammt hohen Wiedererkennungswert, jenes dumme, dumpfe “pling-plimm-pling-plimm-pling”, nicht hören zu müssen.

Die Werbung geht, aber der Ohrwum wird bleiben.
Und weiter sitze ich vor meinem Liter Spezie und versuche “Nessun Dorma” zu summen, zu klopfen, auf dem Holztisch zu schrammeln. Aber nichts kommt. Nicht einmal die Worte. Aber die Musik, sie rauscht durch meinen Kopf, wie stürmische Wellen an einem einsamen Strand.
Weit und breit kein Mensch.

Allein.
Nur ich und der Ohrwurm.
Und kein Gedanke.
Nicht den Hauch davon.
Nichts für den Blog.

Schaffenspause?
Blogblockade ….

_____

Nessun Dorma

Montag, 18 August, 2008

Und weg damit …

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 22:36

Da hatte ich mich gerade an eine neue amerikanische Comedy-Serie erfreut, die erfreulicherweise sogar ohne Lachen aus der Konserve oder Pseudo-Außenaufnahmen lebt, da muss ich lesen, dass sie auch gleich wieder abgesetzt wird.
Es geht dabei um die Serie “Mein Name ist Earl”. Sie handelt von einem Halunken, der das Gesetz des Karmas erkennt und beschließt nur noch gutes in seinem Leben zu tun und all die Halunkereien aktiv zu bereuen.
Die Serie lebt von Situationskomik und vom Wortwitz. Im Deutschen hinkt zwar das ganze ein wenig in der Synchronisation, es ist aber trotzdem ganz gut. Ein wenig erinnert das alles an “Al Bundy”. Es ist aber nicht “Al Bundy”. Es ist einfach “Mein Name ist Earl”.
Ungünstig ist der Sendetermin. Direkt nach Flachwitzreißer Mario Barth und seinen geistigen tieffliegenden Comedy-Volk. Freitag abend auf RTL um 23:30. Wer sich die ermüdenende Barth-Sachen reingepfiffen hat, der wird hilflos auf das reagieren, was da kommt. Denn dazu gilt es einfach, wach zu sein. Ansonsten verpasst man die Hälfte.
RTL hat beschlossen die nächsten beiden Folgen noch zu zeigen und dann stattdessen “Alles Atze” zu wiederholen.
Der Grund? Fallende Einschaltquoten. Kein Wunder nach der brontalen Barthberieselung.
Tja. Für die wenigen Fans der Serie (gibt es die überhaupt außer mir?) bleibt dann nur danach im Internet zu suchen. Es gibt sie. Schon in der dritten Staffel auf Englisch mit asiatischem Untertitel.

Für weitere Informationen auf Deutsch:
Hier ist eine Fanpage und dort ne weitere Fanpage.

karma

Und jetzt?
Weg damit, RTL!
Zuviel Comedy-Niveau überfordert bekanntlich den Fernsehzuschauer …

Freitag, 15 August, 2008

Die Mediengesellschaft

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 19:39

Die Wahrscheinlickeit, etwas Außergewöhnliches durch die Zeitung zu erfahren, ist weit größer als die, es zu erleben.
Mit anderen Worten: im Abstrakten ereignet sich heute das Wesentliche und das Belanglose im Wirklichen … .

Aus dem unvollendeten Werk “Der Mann ohne Eigenschaften” von Robert Musil (geschrieben im Jahre 1932)

Donnerstag, 14 August, 2008

Der große Selbstbetrug

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 0:08

Er ist der wirklich wahre Sohn unseres Ex-Großkanzlers.
Locker bewältigte er das, was unter MS-WINDOWS als “Multitasking” bekannt wurde, von Frauen aber schon seit Jahrtausenden praktiziert sein soll: des Großkanzlers beide Söhne ersetzend, Trauzeuge spielend, Chefredakteur seiend, Fotograf und Reporter in einer Person vereint. Zu solch einer Großtat ist lediglich ein großer Journalisten bei dem historischen gewesenen Großkanzler in einer großartigen Zeit fähig:

Herr Kai Diekmann.

Und Herr Kai Diekmann ist nicht nur Journalist oder lediglich Chefredakteur, nein, er ist auch ein Essayist von Gottes Gnaden in der Tradition eines Michel de Montaigne oder eines Sir Francis Bacon.

Hierzu muss man wissen, dass im Gegensatz ein Autor eines Traktates oder der Autor einer wissenschaftlichen Abhandlung der Schreiber eines Essays (eben jener Essayist) auf objektive Nachweise und definitive Antworten verzichtet.

So schrieb also Herr Kai Diekmann seine ur-eigensten Gedanken zur deutschen Bevölkerung in dem Buch “Denkanstöße 2009″ (Piper Verlag). Dieser Essay ist gewissermaßen der destillierte Klassiker seines Buches “Der große Selbstbetrug”.

Eindringlich warnt Herr Kai Diekmann in dem Essay immer wieder davor, dass wenn überhöhte moralische Standards das politische und gesellschaftliche Handeln bestimmen, es zu einem Selbstbetrug führt. Um es gleich zu sagen, damit meint er freilich weder christlich demokratische noch christlich soziale moralische Standards. Sondern er meint vielmehr, dass uneigennütziges Handeln kein Wert an sich und “gut gemeint” allein eben nicht “gut” sei. Und eine Antwort sei eben deshalb nicht falsch, weil sie auf der Hand liege. Eben dieses sage schon der gesunde Menschenverstand, wenn wir ihn nur lassen würden.

So denkt zumindest der 44-jährige Herr Kai Diekmann mit seinen Denkanstößen für das Jahr 2009, wenn er 45 sein wird.

Ja, damals wäre dieses Land noch arm gewesen und das Leben hart - so räsoniert weltmännisch der 1964 in Bielefeld geborene Ostwestfale (da wo das Leben noch immer hart ist, trotz dortigen Wohlstand und intensiven langjährigen Konfetti-Werf-Trainings während den Karnevalszeiten) - und idealistische Träumereien einiger weniger wären kein Problem gewesen.
Aber heute?
Verständniswahn, wohin der Herr Kai Diekmann auch schaut. Und es schaudert ihn. Pures Entsetzen schüttelt ihn über jahrelang betriebene Verharmlosung von Multi-Kulti, vorsätzlicher Duldung wahlloser Immigration in Deutschland und der schäbigen Aufwertung kommunistischer Regime.

Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft ganz unbestritten.

, spottete Heinrich Heine als es nach Beendigung des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation” nur den Deutschen Bund und die Habsburger Donaumonarchie gab.

Herr Kai Diekmann sieht den Deutschen schon wieder beim Realitätsverzicht angekommen. Die Büchse der Pandora der Deutschen soll Ende der 60er Jahre geöffnet worden sein und das Schlechte, was aus dieser Büchse entwich, seien die Hoffnung auf Gleichheit, Solidarität und Liebe aller Brudervölker gewesen. Bevor jedoch auch Skepsis aus der Büchse entweichen konnte, wurde sie wieder geschlossen, so Herr Diekmann.
Und seitdem schlagen wir uns also mit Selbstbetrug herum.

Nun. Vielfach waren diese Selbstbetrügereien. Wir glaubten an das Gute und heraus kam dann beispielsweise …

… Milli Vanilli und mit diesem Popduo die Hoffnung, dass deren Gesang und Getanze wahrhaftig sei. Sie sahnten den amerikanischen Grammy Award ab. Biss dann Produzent Frank Farian die Hoffnung zerstörte und der Presse erzählte, dass andere für dieses Popduo gesungen hatten. Das erstaunte Entsetzen war groß. Und die öffentliche Abstrafung dann nicht minders.

… der ehemalige deutsche Immobilienunternehmer Jürgen Schneider und sein “Imperium der Hoffnungswerte” (wie dessen Richter bei dessen Verurteilung formulierte). Uns blieb die Erkenntnis, dass Schein vor Sein geht, insbesondere bei deutschen Banken. Und dass “Peanuts” hohe Geldbeträge sind, welche deutsche Banken locker verschmerzen können, wovon ein Kleinkreditnehmer nur träumen kann.

Spendenaffären und die Hoffnung, dass zumindest christliche Parteien aufgrund ihres christlichen Hintergrundes christlich handeln würden. Sogar in einem Koch setzte man die Hoffnung, er würde “brutalst möglich” in den heimischen Küchen aufklären. Eben dort wo solche Suppen eingebrockt wurden. Aber auch von dieser Hoffnung durften wir lediglich träumen.

… die BILD-Zeitung mit dem Spruch “Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht” und der Hoffnung, die BILD-Zeitung wäre mutig. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich bei uns Herrschern des Luftreichs der Träume zuletzt. Und bekanntlich spricht BILD nicht, und Wahrheit ist bei denen so gefiltert wie gesiebte Luft (die Wahrheit ist ein wildes Tier).

Wie Herr Diekmann schon schrieb, die Büchse der Pandora der Deutschen entließ viele Hoffnungen. Zurück und unbefreit blieb die Skepsis.

Neben all diesen lässlichen Sünden einer gefestigten demokratischen Gesellschaft mit BILDungsbürgertum macht sich die Hoffnung breit, dass das kommunistisch-kapitalistisch-diktatorische System in China uns wenigstens authentisches zur Olympiade fernsehtechnisch anbieten würde.

Aber nein. Es erscheint als hätten die lediglich eine Kopie unserer hoffnungsvollen Lässlichkeit im Angebot.

Zur Eröffnung bieten die uns mit Lin Miaoke ein Milli-Vanilli-Plagiat an. Mit dem Reinschneiden von computernachbearbeiteten Feuerwerkexplosionen in die Eröffnungsshow wollen die als “Imperium der Hoffnungswerte” erscheinen und in Sachen Bestechung sollen die unseren christlichen Standartenträgern in nichts nach stehen. Bewiesen ist zwar nichts, und niemand weiß genaues nichts. Zumindest ein Amerikaner wurde von einem Chinesen bestochen und verblutete.
Fakt ist, dass in China staatlicherseits Bestechung auch mit dem Tode bestraft wird. Der chinesische Mörder sparte Prozeßkosten und beging aufgrund seiner druchgeführten Bestechung im vorbeugenden Gehorsam Selbstmord.

q.e.d.

Es drängt sich mal wieder der Eindruck auf, die Chinesen bieten nichts eigenes. Oder doch nicht? Etwa Hoffnung?

Ich stöbere im BILDeigenen Olympia-Blog und erhoffe mir, mutige BILD-Journalisten, die live aus China die Wahrheit aussprechen. Dort, wo die BILD-Reporter bloggen: “garantiert unzensiert”, wie die Seite vollmundig verkündet. “Direkt aus Peking. Direkt aus den Stadien. Direkt aus dem Deutschen Haus.”
Nun ja, in einem Artikel schreibt ein Journalist eine belanglose Rezension über die “China Daily”.
Aber ansonsten?
BILD weiß immerhin jetzt, wo der Ballermann Pekings sich befindet und verkündet wohlgemut und mutig die Wahrheit:

Das China, das wir hier sehen, hatten wir so nicht erwartet. Hier riecht es nicht nach Unterdrückung und Maulkorb. Hier riecht es nur aus der viel zu kleinen Toilette.

Wieder bin ich in einer Hoffung betrogen worden.
Und ich stimme jetzt Hern Kai Diekmann - dem Chefredaktuer der BILD-Zeitung - komplett zu, wenn der anfangs schreibt, dass die Aufwertung kommunistischer Regime schäbig sei.
China nimmt der Herr Diekmann später im Essay allerdings dabei aus - womit es auch klar wird, warum der Bild-Olympia-Blog so handzahm daher kommt:
Länder, die kein Wahlrecht kennen oder kaum Pressefreiheit besitzen, können nach Ansicht Herrn Diekmanns durchaus attraktiv und lebenswert sein, sofern sie nur kapitalistisch organisiert seien. Und als Beleg führt er das chinesische Hongkong und Singapur mit seinem hohen chinesischen Bevölkerungsanteil als Beispiele an.

Ich schlage den Essay von Herrn Diekmann zu und fühle mich wieder einer Hoffnung beraubt:
Dass China als 200% Feindbild für ein kommunistisches Regime taugen könne, war wohl nur eine trügerische Hoffnung.

Gut.
Wir brauchen halt China. Wegen den hiesigen Kaufhausprodukten und den Goldmedailien bei den jetzigen Sommerspielen in China.
Ohne China geht das halt nicht. Warum die Hand beißen, die uns gerade füttert? Wie Herr Diekmann in seinem Essay schrieb:

“Eine Antwort ist nicht deshalb falsch, weil sie auf der Hand liegt.”

Aus der wir uns gerade füttern lassen. Wenn China also die Antwort auf unsere Frage nach dem olympischen Gold ist, dann kann es gar nicht so falsch sein, wenn bei denen nur die Toiletten anrüchig sind. Und nicht deren kommunistisches System.

So denn will ich also verstummen und mit jenem BILD-Blog das El Arenal Pekings ausfindig machen. Wenn dessen Reporter in Kaschemmen versinkt, die er so selbst nach vier Jahren Hamburger Kiez noch nicht kennengelernt hat, dann habe ich alles dort gelesen.
Bis zur bitteren Neige.
Wie “Glas leer!”
“Ganbei.”
Geleert.
Marcel Reich-Ranicki sagte mal, dass ein Buch wie eine Flasche sei. Es käme auf den Inhalt an. Das Buch an sich sei nur Transportmittel für den Inhalt.
Nun, von meinen Hoffnungen auf Inhalt bei Herrn Diekmann bin ich kuriert.

Danke, Herr Kai Diekmann. Sie werden nie Hoffnungsträger für mutige Wahrheiten werden.

… und die Flasche kommt jetzt in den Recyclingcontainer.

Samstag, 28 Juni, 2008

Zum Heulen oder zum Heulen schön?

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 11:44

Da kommt ein Freund vorbei und legt mir ne CD hin.
“Hör dir das mal an!”
Ich starre auf das Cover.
William Shatner “Has been”.

Nun ja.
Eigentlich kenne ich William Shatner nur als “Captain Kirk”, der mit “Spock”, “Pille” und “Scotty” unendliche Weiten im Weltall durchwanderte und dahin ging, wo kein Mensch zuvor gewandert war. Vorzugsweise war das damals in den 70er als ZDF-Konkurrenzprogramm der ARD-”Sportschau”. Ich konnte nur immer Happen der Serie sehen, weil da immer zwei waren, die einfach umschalteten.
“Schalt diesen Quatsch ab! Wir wollen “Sportschau” sehen!”

Der “Sportschau”-Imperativ eines Sonntag abends in den 70ern. Danach hatte sich das Abendessen zu richten.
Und wenn dann die Netzers, Breitners, Beckenbauers wieder in ihren Umkleidekabinen befanden und die Ernst Hubertis mit strengem ordentlich sauber gelegtem Linksscheitel ernsthaft alles zu Ende analysiert hatten, dann wurde das Programm endlich umgestellt. Aber dann lief bereits “heute” und Kirk und Co. waren in den unendlichen Weiten des Fernsehweltalls entschwunden.

In den 90ern konnte ich dann mit einem eigenen Fernseher und Muße mir alle verpassten Folgen nachträglich reinziehen. Dutzend Male der Satz “Er ist tot, Jim” oder “Ich bin Arzt und nicht Schiffsengineur” oder “Ay, ay, Sir” oder “Faszinierend”.
Oder wer kennt die lustige Serie mit dem “Tribbles”, jene Wuschelwesen, die die ganze Raumschiffbesatzung zum Knuddelwahnsinn trieben?
Oder als Kirk ins Raumschiffprotokoll ein entnervtes “Der Computer spinnt” abgab, weil dieser Schiffscomputer plötzlich seine weibliche Seite entdeckte und mit Kirk flirten wollte?
Selbst jene in Deutschland nie ausgestrahlte Folge als Kirk und Co in Nazi-Uniformen durch die Szenerie marschierten, sah ich viel später.

Und jetzt lag da diese CD vor mir.
William Shatner “Has been”.

Das vulkanische Spitzohr “Mr. Spock” (Leonard Nimoy) hatte gleiches auch mal versucht und gruseliges Lachen bei seinen Fans ausgelöst. Selbst William Shatner hatte sich vor knapp 40 Jahren als Musiker versucht gehabt und sich dem Mantel der Verschwiegenheit der Musikgeschichte sicher sein darf.

Mag Shatner auch ein Schauspieler sein, der inzwischen verdientermaßen genügend Nominierungen für die “Goldene Himbeeren” abgestaubt hat, so ist er nicht unbeliebt.
Er ist unsere Vergangenheit der Kindheit, der in “Yehaw”-Cowboy-Manier für uns dahin ging, wovon wir immer träumten: Jede dritte Seriefolge eine neue Frau abgeschleppt, egal ob grün, gelb oder mit Schwanzflosse. Jede dritte Serienfolge den Draufgänger spielend. Und jede dritte Serie der verständnisvolle Mann. Unser Held.

Und jetzt die CD.
Die CD ist schon älter. Offenbar 2004 erschienen. Zögernd schiebe ich sie ins Laufwerk, Kopfhörer auf und den PLAY-Knopf des Players gedrückt.

Nun, ernsthaft. Ohne grundlegende Englisch-Kenntnisse geht es bei der Musik doch nicht. Wer kein Englisch versteht, der braucht sich die CD gar nicht erst zu Gemüte führen, denn es entgeht ihm mehr als nur die Hälfte.

Es fängt mit der Cover-Version von PULP an.
Ich wackle mit den Ohren unter dem Kopfhörer. Verdammt, was hat Shatner denn da gemacht?!
Er singt nicht wirklich zu der Musik. Er schauspielert den Text! Der Text ist dabei nicht unwichtig, wenn Shatner textlich Geschwindigkeit aufnimmt und am Ende dann die Bremse auch textlich angepasst zieht. Der Inhalt des Textes (für die, die ihn nicht kennen): Mann trifft Frau aus Griechenland und sie erklärt, dass sie ein ganz normales Leben führen möchte und mit ganz normalen Menschen schlafen möchte. Und er fragt sie verdattert, ob sie wirklich ernsthaft das tun möchte, mit gewöhnlichen Menschen zu schlafen. Was bei Pulps “Common People” wie ein selbsterklärtes zynisches Lebensmotto einer Frau daher kommt, fährt durch Shatner als prominenter Schauspieler auf der Schiene “Person des öffentlichen Lebens ist überrascht, wie normal das Leben einfacher Menschen sein kann”.

Und diese Selbstironie mit einem eigenartigem Spott pflanzt sich durch die ganze CD hindurch. Geht auch über Tragik und Selbstkritik ohne jede Peinlichkeit.
“Common People” (begleitet durch Joe Jacksons Gesangstimme) ) ist übrigens die einzige Cover-Version auf dieser CD. Der Rest kommt aus Ben Folds Feder.

Und um gleich alle Befürchtungen zu zerstreuen. Shatner imitiert nicht mal singen. Er singt auch nicht wirklich. Er spricht den Text zur Musik. Oder neu-deutsch ausgedrückt: Er perfomed die Texte mit einem unheimlichen musikalischen Drive, ohne wirklich zu singen.

Die CD “Has been” (”War gewesen”) ist faszinierend und definitiv kein Müll.
Sie ist sicherlich der Versuch Shatners sich ein eigenes musikalisches Denkmal zu setzen. Und auch wenn es wohlmöglich niemand mitbekommen hat, meiner Meinung nach hat er es geschafft.

Aber vor allem ist diese CD ein erneuter Versuch von William Shatner, sich dagegen zu wehren, dass in ihm alle nur den “Captain Kirk” sehen. Auf einer “Startreck-Convention” (regelmäßige Treffen von Raumschiff Enterprise-Fans) war er mal zu Besuch und hatte dem Publikum ein wütendes “Get a life!” (”Lebt endlich!”) entgegen schleuderte, als diese ihn seine Rolle des Captain Kirks auf ihn persönlich gänzlich überstülpten und den Kosmos des Raumschiff Enterprise als real existierend vorraussetzten. Die Trekkies nahmen ihm das übel, dass er sich so einfach seiner “Captain Kirk”-Rolle entledigen wollte.
Im letzten Lied REAL (”Wirklich”) seiner CD “Has been” sagt er dann auch:
„Ich habe die Welt in den Filmen gerettet [...] Und während ein Teil von mir in dem Kerl ist, den du da oben auf der Leinwand gesehen hast, ich bin noch so viel mehr [..] Ich würde der Welt so gerne bei all ihren Problemen helfen, aber ich bin ein Unterhalter und das ist alles. Also, wenn beim nächsten Mal ein Asteroid oder eine Umweltkatastrophe passiert, dann fühle ich mich geehrt wenn du an mich denkst, aber ich bin es nicht, denn du dann rufen musst. [... ]… Entschuldige, dass ich dich enttäuschen muss, aber ich existiere wirklich.”

Tja, Mister Shatner, dann will ich es mal versuchen.
Die CD ist zu Ende.
Ich bin positiv überrascht. Die Schublade vom CD-Player fährt raus und ich stecke sie zurück in ihre Hülle. Sie ist nicht das Meisterwerk des Jahrhunderts, aber doch ein verdammt gutes Kleinod der Pop-Geschichte aus der Ecke “Schauspieler versuchen sich als Musiker”.

Vorsichtig trage ich sie zu meinem Startreck-Schrein, öffne diesen und lege sie sorgsam zu den anderen Devotionalien, die ich inzwischen zusammen getragen habe:
Zu dem originalen Phaser, zu dem Spitzohr-Imitat, zu dem Communikatoren, den 6 Tribbles, dem Klingonen-Schwert und den baijurasischen Fix-Rebubator und den anderen Startreck-Kleinigkeiten, die ich mittlerweile bei Ebay ersteigert habe.
Langsam schliesse ich den Schrein wieder, verneige mich dreimal ehrfürchtig und murmel leise aber bestimmt:
“Captain Kirk, du bist genial!”
Dann gehe ich zu meinem bunt erleuchteten Ecke, schaue zum Schaltpult mit der lebensgroßen Startreck-Puppe und sage den alles entscheidenden Satz:

“Scott me up, Beamie!”

und es schloss sich der Vorhang der CD-Kritik …

-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*

„Und so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Mittwoch, 25 Juni, 2008

Der Automat und ich …

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 20:33

Darf man um diese Uhrzeit an diesem Abend zu diesem Halbfinaltag so eine Viertel Stunde vor Anpfiff noch was anderes schreiben?

JA! Man darf.
Und ich auch!

*****

Kaffeeautomaten sind ja die Belustigung schlechthin. Man wirft Geld ein, drückt “Capuchino”, die Maschine rödelt, der Kaffee kommt raus und dann der Becher.
Oder der Kaffee besteht nur aus einem heißen aber schwachen Kaffeearomasaft.
Oder man drückt Kaffe und man schmeckt nachher eindeutig Rindsbouillon mit Kaffeedröhnung heraus.

Oder …

Genau.

Der saublöde Automat gibt das eingeworfene Geld nicht raus!
Diese Sau von Automat! Elender! Scheißteil! Verflucht seien des Erfinders Nachfahren Nachfahren! Bis ins zehnte Glied! Auf das euch kein Viagra mehr helfe!
Meinen letzten Euro!
Einfach hängengeblieben!
Mist!
Ohne Kaffee bin ich doch nicht zu gebrauchen.

Und dann wächst in mir etwas. Etwas ernsthaft grausammes!
Gleichsam dem Dr. Bruce Banner, der bei Wut seinen Hulk heraushängen lässt.
In mir wächst eine Kombination aus mörderischen Coolness von Jet Li, der Todeskralle eines Bruce Lee und der gefühlvollen Hammerhaue von Lucy Liu mit dem selbstironischen Hau-Ihn-Humor eines Jackie Chan.
Zögerlich hebe ich die rechte Hand und versetze dem Automaten sanft einen gezielten Handkantenschlag …
Klack, klack, klack.
Hm.
Ich schaue nach. Drei Münzen.
Hm.
Noch einen gezielten Schlag.
Klack, klack, klack, klack, klack, klack.
Mehrere gezielte Handkantenschläge.
Klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack usw. usf.

Nach dem siebtem ist dann Ruhe.
Der achte war überflüssig.
Ich zähle nach.
Knappe dreizehn Euro.
Tja, das nenn ich mal nen Stundenlohn!
Umgerechnet 130 Tausend Euro den Monat (bei einer 40 Stundenwoche und 21 Arbeitstagen).

Ich liebe Automaten.

Allerdings liebe ich nicht Automatenbesitzer, dem ich das Geld nachher aushändigte, weil er zufällig vorbei schaute …

Friede, Freude, Eierlaufen

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 18:39

Seltsam. Mit der gleichen intensität, die jenes Blatt nutzt,um Gräben tiefer zu legen, wenn es darum geht, zu zeigen, daß jene nicht zur EU gehören können, mit der gleichen Intensität beschwört es heute die deutsch-türkische Freundschaft. Wenn also Fußball Völker verbindet, wie Beckenbauer messianistisch nie müde wird zu verkünden, warum also könnte dann nicht jeden Tag ein Halbfinal-Fußballspiel gegen unsere normalen Feindbilder stattfinden? Jeden Tag ‘Freundschaftsposter’ der BILD.

Geht nicht?
Okay, dann gibt’s ab übermorgen auf Seite 1 wieder Berichterstattung, warum junge Türken und Griechen deutsche Rentner in U-Bahnen schlagen.
Nun ja, heute abend lassen wir sie zumindest noch feiern. Wir sind ja schließlich keine Unmenschen.

Merhaba und Kalimera zusammen.

Merk-würdig.

Montag, 23 Juni, 2008

Frage ohne Antwort

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 22:00

Warum färben sich Frauen ab 50/55 Jahren ihre Haare rot?
Und warum immer mit diesem schrecklich quietschiegen erdbeerrot?!?

Sonntag, 22 Juni, 2008

Freiheitsgrade

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 20:18

Sonntag. Die Stadt wacht auf. Eine Staffel neuer FIAT Cinquecentos mit Fahnen prescht vorüber. Laut möpend. Das Italien-Spiel kündigt sich an.

Ich betrete das Fastfood-Restaurant, lasse mir für einen Euro einen Becher geben, zapfe mir meine Cola und suche mir meinen Platz. Mir gegenüber sitzt ein Mann, dem jeder seine Unterwäschenlosigket unter seiner einsehbaren kurzen Stoffhose ansehen kann. Sexy ist was anderes.

‘2. Getränk einfüllen’ steht da geschrieben. Ich entscheide mich dafür, dass es ‘Zweites’ und nicht ‘Zweitens’ heisst und folge der Aufforderung.

Etwas später im Kino: Mister Jones schwingt seine Peitsche. Warum nehmen sich im leeren Kino die Tütenraschler und Vorsager immer den Platz hinter mir.

Ich geh zum Eisbach, das Wasser dort erhitzen. Im FKK-Bereich. Für nen frei gewählten Sonnenbrand …

Montag, 16 Juni, 2008

Kommt ne Rechnung geflogen, vom Postboten ins Haus …

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 20:50

Kennen Sie Binnen-Briefe?
Das sind Briefe, in denen der entscheidene Satz oftmals lautet “zahlen Sie binnen zehn Tage”.
Zehn Tage Zahlungsziel ist ja nicht wirklich seriös, aber machbar. Und wer nicht auf Binnen-Briefe antwortet, der wundert sich, dass plötzlich eine Inkasso-Gesellschaft per Brief die Hand aufhält.

So unterschrieb ich einmal einen Handy-Vertrag, weil ich partout glauben wollte, dass mir Vodafone eine Prepaid-Karte anbieten würde. Im rechtzeitigen Moment fiel Hirn vom Himmel, ich erkannte, dass ich da einen normalen 24-Monate-Handy-Vertrag unterzeichnet hatte. Mit links habe ich den Vertrag zerissen. Damit war er gesetzlich nichtig. Vierzehn Tage später begrüßte mich Vodafone als deren Kunde und ein Monat später erhielt ich so einen Binnen-Brief. Ich rief dort an. Man fragte mich nach meiner Kundennummer. Sowas hatte ich ja nicht, da kein Vertrag bestand. Irgendwann dachte ich, man hätte mich verstanden. Bis zum nächsten Binnen-Brief. Ich setzte mich hin und schrieb einen Binnen-Brief an Vodafone. Würde mir nicht binnen drei Wochen ein rechtsgültiger Vertrag gezeigt werden können, würde eine Betrugsanzeige folgen. Der nächste Brief von Vodafone war eine Entschuldigung und das Zugeständnis, dass alle vorherigen Binnen-Briefe nichtig wären.

Dann war unter allen Rechnungswipfeln Ruh.

Ein mir sehr gut Bekannter bekam neulich einen Brief von der Firma “netsolutions FZE”. Oder besser gesagt von einer in Eschborn ansässigen Inkasso-Gesellschaft. Ein Binnen-Brief. Zahlen solle er 92, 40 Euro, weil mein Bekannter einen Vertrag eingegangen sei. Mein Bekannter recherchierte und fand heraus, dass die Firma “netsolutions FZE” ihren Sitz in Dubai hat und u.a.a. die Seite nachbarschaft24 betreibt. Dort solle er einen Vertrag mit der Firma aus Dubai geschlossen habe. Und er solle sofort zahlen. Zahle er nicht, müsse er mit negativen Konsequenzen wie z.B. Schufa-Eintrag rechnen.

Mein Bekannter kannte weder die Internetseite der Firma “netsolutions FZE” noch deren Besitzerin, die er als “Barbara Fischer” identifizierte, die die Seite über einen Provider in den Niederlanden laufen lässt.

Er wird nicht auf diese Zahlungsaufforderung reagieren. Er wartet jetzt auf den gerichtlichen Titel. Denn wie er herausfand, sind diese Briefe kein Einzelfall für jene die Inkasso-Gesellschaft beauftragende Firma “netsolutions FZE”. Er fand verschiedenes hier und hier. Und es steht zu erwarten, dass das damit befasste Gericht dem Unternehmen keinen gerichtlichen Mahnungstitel erteilen wird.

Nebenbei, es bleibt die Frage, wie kam die Firma “netsolutions FZE” an seine Adresse?
Er kam über einen Rechtschreibfehler drauf. Entsprechend den Erfordernissen eines Blogs hatte er brav seine Bremer Adresse und seinen Namen angegeben. Nur hatte er seinen Namen mit einem einzigartigen Rechtschreibfehler versehen gehabt. Offensichtlich hat irgendein Blog.de-Leser die Adresse meines Bekannten bei der Internetseite von “nachbarschaft24″ eingegeben.
Jetzt hat mein Bekannter sein Impressum anonymisiert. Man muss ja sein Glück nicht versuchen, monetäre Liebesgrüße aus Dubai zu erhalten.

Und meine Moral aus der Geschicht?
Impressum ist zwar schön und gut, aber wenn als Leser getarnte Saubeutel (so willkommen wie Hämorrhoiden am Allerwertesten oder die Krätze oder Mitesser) dieses missbrauchen, dann ist es besser ohne zu leben.
Mein Bekannter wollte über diesen Missbrauch seines Impressi nicht schreiben. Daher mach ich es jetzt mal.
Zur Mahnung an alle und als kleine Hilfestellung einen Puls beim Lesen eines Inkasso-Briefes wieder zu senken.

Denn dann ist unter allen Wipfelrechnungen Ruh.

In diesem Sinne habe ich auch bei mir jetzt so gehandelt und mein Impressum verändert.
Es geht halt nicht anders, wenn der böse Nachbar es nicht anders will.
Und gut is.

Amen.

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