Notizen aus der Provinz

Mittwoch, 21 November, 2007

Lorem Ipsum (… oder Sinn für jeden Unsinn …)

Gespeichert unter: Kommunikation — Careca @ 22:04

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Mittwoch, 7 November, 2007

Warten mit Schleifchen (Teil 3 und Schluß)

Gespeichert unter: Kommunikation, Notizen an das Leben — Careca @ 7:52

Diesmal kein Anruf bei meinem DSL-Provider.
Diesmal nur ein Anruf bei meinem Rechtsschutz.
Eine normale Nummer, keine Sonderwahlnummer.
Ich wähle und ein Menü wird mir vorgelesen. Mit bösen Erinnerungen tippe ich die “1″.

Warteschleifenmusik.
Genervt halte ich den Hörer vom Ohr weg.

Genau in dem Augenblick bricht die Musik ab, eine männliche Stimme meldet sich und fragt, was ich wünsche. Ich gebe ihm meine Kundennummer durch und das ganze ist binnen 3 Minuten geklärt. Als ich das Gespräch trenne, sind weniger als 5 Minuten vergangen.

Ich hoffe, sowas macht nicht Schule. Sonst geht das nachher über all so schnell.

Was soll ich denn dann mit meiner Freizeit anfangen, wenn ich diese nicht mehr in Warteschleifen verpulvern kann … ?

Warten mit Schleifchen (Teil 1)

Gespeichert unter: Kommunikation, Notizen an das Leben — Careca @ 7:03

Irgendwann war meine Analyse gestern beendet und es stand für mich zweifelsfrei fest: Der DSL-Provider akzeptierte mein Login nicht mehr.

Also erstmal die letzte Rechnung herausgekramt und im Briefkopf nachgelesen.
“… 0180… 49 Ct./Min. …”
Schön.
Ich bin begeistert. Mein Provider verlangt für seine Dienstleistung der Beratung auch noch Geld. Reicht ihm wohl nicht, dass ich eh schon Grundgebühren zahle?

Trotzdem angerufen.

“Hallo. Hier ist Ihre Blubber-Hotline. Um sich für die Beratung zu registrieren, geben Sie bitte Ihre Kundenummer oder Ihre Telefonnummer ein.” Piep.

Kundennummer? Gut. Dann mal auf die Schnelle mal die Telefonnummer.

“Danke. Um Sie noch besser bedienen zu können, geben Sie bitte ihr Geburtsdatum ein.”

Wie? Mein was?
Egal.
Und nun mein neues Problem: Dicke Finger bei kleinem Tastenbedienfeld.

“Ihr Geburtsdatum ist falsch. Ihre Registrierung wurde abgebrochen. Bitte …”

Der Satz war noch nicht mal zu Ende, da hatte ich schon aufgelegt.

Gut. Auf ein neues.

“Hallo. Hier ist Ihre Blubber-Hotline. …”

Diesmal nehme ich die Kundennummer, die ich irgendwo im Kleingedruckten des Briefkopfes ausgemacht hatte.

“Danke. Um Sie noch besser bedienen zu können, geben Sie bitte ihr Geburtsdatum ein.”

Mein Geburtsdatum. Null Probleme. Nehm ich halt meinen kleinen Finger für den groben Klotz in meiner Hand.

“Ihr Geburtsdatum ist falsch. Ihre …”

Ich gerate ins grübeln. Ich kenn mein Geburtsdatum nicht? Ich wühl in meinen Unterlagen und finde die Anmeldebestätigung.
Aha. Wahrscheinlich wollen die das Datum in dem Format wie dort angegeben.

“Hallo. Hier ist Ihre Blubber-Hotline. …”

Routinemässig wickel ich jetzt die Eingaben ab. Im Telefon gurrt man meinen Namen.

“Für Schulungszwecke kann das Gespräch aufgezeichnet werden. Wenn Sie dem zustimmen, sagen sie ‘Ja’.”

Ich sage zielstrebig NEIN.
Ein Menü wird mir vorgelesen, was ich zur Auswahl habe. Nirgendwo eine Möglichkeit für Störungsmeldungen.
Dann der Schock.
Da steht doch im Brief extra das Wort Störungsannahme. Telefonnummer “0800″ …
Aufgelegt.
Zufriedenheit ist jetzt maximal nur noch zufriedenstellend.
Die 0800-Nummer gewählt.

“Hallo. Hier ist Ihre Blubber-Hotline. …”

Okay. Das altbekannte Prozedere. Tippen, bis der kleine Finger krumm ist.
Geschafft. Im Telefon gurrt man meinen Namen und liest mir ein Menü vor.

“Wählen Sie ‘1′ für Probleme mit Ihrer Telefonleitung. Wählen Sie ‘2′ für Probleme mit dem Internet. Oder wählen Sie ‘3′ für Probleme mit Telefon und Internet.”

Ich wähle “2″.

“Für Schulungszwecke kann das Gespräch aufgezeichnet werden. Wenn Sie dem zustimmen, sagen sie ‘Ja’.”

Ich warte und sage genervt NEIN.

Um es mal kurz zu machen.
Nach 5 Minuten hatte ich mich aus der Leitung geschmissen. Ein leichtsinniges Spielen mit der Anruftaste und Tschüssikowski.
Erneute Einwahl in die Warteschleife für Internetprobleme.
Mein NEIN zu den Schulungszwecken war wohl ein wenig zu gereizt. Die alte Nachbarin von oben klopft an die Heizung.
Die jazzige Klimpermusik nervt ein klitzekeleinwenig zu viel.

Eine Stimme verkündet, man solle bei Problemen doch auch die Kundenbetreuung im Internet unter “weeweewee.leckmich.de” aufsuchen.
Ja wie denn? Ohne Internet?
Diese Scherzkekse.
Erinnert mich an eine DV-Betreuung bei einer Firma, als ich anrief und denen sagte: “Mein Email geht nicht.” Als Antwort erhielt ich gesagt: “Wir schicken Ihnen ne Email, sobald Ihr Email wieder geht.”

Die jazzige Klimpermusik nervt.
Um es kurz zu machen: Nach 20 Minuten bin ich drin.

Warten mit Schleifchen (Teil 2)

Gespeichert unter: Kommunikation, Notizen an das Leben — Careca @ 7:01

“Mein Name ist Knallinger-Schnallinger. Was kann ich für Sie tun?”
“Na? Heute wohl ein wenig unterbesetzt in der Störungsannahme wie? Seid Ihr nur zu zweit da?”
“Äh, ja, äh, wie, äh, wir sind vier, äh, … Nein. Wir sind hier sehr viele und alle haben zu tun.”
“Na, ich hoffe ihr ersauft nicht in Stress.”
“Nein, nein, es geht.”
“Wie schön. 20 Minuten eurer Warteschleife, das ist eine Tortur.”
“Oh, das tut mir leid.”
“Vielleicht sollten Sie mal als Verbesserungsvorschlag weitergeben, dass man bei Internetstörungen nicht in der Ansage sagen sollte, man solle im Internet nachschauen.”
“Danke für den Hinweis. Ich werde es weitergeben.”

Danach folgen sach-un-dienliche Fragen wie “Kommt das WLAN-Gerät von uns?” oder “Welches Betriebssystem nutzen Sie?” oder “Wieviel PCs haben Sie?”
Und zu guter Letzt:

“Könnten Sie bitte morgen vormittag nochmals anrufen, damit unserer Analytiker sich … blablubb.”

Wie jetzt? Wollen die nicht?

“Nein, das geht nicht. Ich arbeite von morgens früh bis abends. Ich habe nur abends Zeit. Sie verstehn? Ich kann mir für Ihre Probleme doch keinen urlaubstag nehmen.”
“Ist es auch nicht nachmittags möglich?”
“Hallo? Müssen Sie nicht arbeiten? Hab ich gesagt, ich wäre arbeitslos? NAI-EN! Ich kann nicht.”

Pause.

“Könnten Sie bitte in einer halben Stunde nochmals anrufen. Sagen Sie dann bitte, Sie hätten bereits hier angerufen.”
“Also um 21 Uhr?”
“Ja, bitte.”
“Nochmals Ihre Warteschleife?”
“Ja, tut mir leid, es geht nicht anders.”
“Ja, ja, Sie müssen ihre Warteschleife ja nicht ertragen.”

Gesprächsende.
Nach knapp 6 Minuten Beratung ohne Ergebnis.
Ich bin begeistert. Aufs heftigste.
Aber ich kann auch hartnäckig sein.
Ich fixiere die Uhr.
21 Uhr ist für mich in 20 Minuten.
Rein rechnerisch freilich erst in 30 Minuten.
Aber bei mir jetzt in 20 Minuten.

19 Minuten später.

“Für Schulungszwecke kann das Gespräch …”

Die Nachbarin klopft erneut, heftiger und länger als zuvor.
Vielleicht hätte es auch ein normales NEIN getan statt zu Brüllen.
Wieder in der Warteschleife.
Die Pausenmusik und deren Zwischenhinweise auf das Internet nerven mich aufs heftigste.
Inzwischen maniküre ich schon meine Fingernägel mit den eigenen Zähnen im Takt des Warteschleifengedudels.

Um es wiederum kurz zu machen:
Nach 25 Minuten häng ich bei Frau Ich-lächle-dich-durchs-Telefon-an.
Erleichtert, aber auch abgenervt schildere ihr mein Leiden über Warteschleifen, Ansagen und fehlendes Internet.
Punkt 1 und 2 lächelt die Frau gnadenlos weg.
Ist gar kein Thema. Warteschleife ist für sie wohl wie Wetter. Gibt es jeden Tag. Immer wieder.

Und Punkt 3?
Der DSL-Provider hat offenbar zentrale Serverprobleme in einigen Städten, sagt sie. Man arbeite mit Hochdruck dran, das Problem zu lösen. Sie versprach mir, dass das Internet bis um 5 Uhr morgens wieder gehen solle.

Gesprächsende.
Knappe drei Minuten kurz und bündig mit Ergebnis.
Um Mitternacht ist das Problem behoben.
Ich bin wieder drin.
Im Internet.

Ich liebe Warteschleifen.
Man gönnt sich ja sonst nichts.

Dienstag, 23 Oktober, 2007

Tacheles gesprochen

Gespeichert unter: Kommunikation, Notizen an das Leben — Careca @ 19:29

“Wir können hier richtig deutsch diskutieren, wir haben Verbandszeug im Hause.”

Wolfgang Neuss, 1923–1989

Montag, 15 Oktober, 2007

Beruflicher Fortschritt

Gespeichert unter: Kommunikation, Notizen an das Leben — Careca @ 20:36

Hey, weisste das neuste? Mein Chef hat mir endlich heute ein Notebook und ein Handy überreicht.

Schön. Das heisst, du darfst nach Feierabend jetzt auch zu Hause arbeiten. Und mit dem Handy checkt er nach, ob du es auch tust …

Sonntag, 23 September, 2007

Immer diese Kettenbriefe …

Gespeichert unter: Kommunikation, Notizen an das Leben — Careca @ 22:18

Gerade erhalten und hier gleich reingepackt.

Dies ist KEIN Kettenbrief!
Du darfst ihn auf KEINEN Fall weiterschicken, denn das wuerde grosses Unheil ueber Dich, deine Nachfahren und dein Erdbeerjoghurt bringen ! Selbst Ausschnitte, ja sogar einzelne Woerter aus dem Brief koennten gefaehrlich sein.

Die Urspruenge dieses Briefes gehen auf den Abschiedsbrief eines braven Bauernburschen namens Chutka Prowik zurueck, der seiner Familie in schriftlicher Form seinen Beschluss mitteilte, dass er sein Glueck in der Ferne suchen wollte. Kurz nachdem er sich von Zuhause aufgemacht hatte und die Berge ueberquerte, wurde er von einem Unwetter ueberrascht und eingefroren (Heute ist er unter dem Namen “Oetzi” bekannt).

Bis heute weiss niemand genau, welche seiner Worte so gefaehrlich und unheilstraechtig waren, aber sie kommen auf jeden Fall alle auch in diesem Brief vor, also sieh dich vor! Ein Beispiel fuer die schreckliche Kraft dieses Briefes ist der arme Matrose

Pitr Owoschna, der auf dem beruechtigten Atom-UBoot “Blauer November” als Ausguck arbeitete. Waehrend das Boot auf Patrouillenfahrt im Kaspischen Meer war, bekam Pitr diesen Brief an seine Heimatadresse geliefert. Ohne das zu wissen, schrieb Pitr einen Liebesbrief an seine Freundin Januschka, in dem er ungluecklicherweise mehrere der Unheilvollen Woerter benutzte. Noch in der selben Stunde explodierte der Dieseltank des Schiffes und es versank auf Nimmerwiedersehen in der See.

Beruehmte Menschen haben das Verbot zum weiterschicken missachtet. Darunter waren Lady Di, Falko, Boris Becker, Brittney Spears (kurz bevor sie beschloss, einen Film zu drehen) und diverse Angestellte im World-Trade-Center.

Doch auch die Internetabstinenz hilft nicht gegen das Unheil. Eine Gemeinschaft von ueber hundert Internetnutzern, die alle diesen Brief erhalten hatten (weiss der Himmel woher), beschloss im Sommer 2002, ihn zu entkraeften, und zumindest eine Weile weder Mails, noch Briefe, noch Schecks zu schreiben. Sie lebten ausnahmslos alle an der Elbe … Was du also tust … du bist auf jeden Fall in den Ar*** gekniffen. (wobei mir einfaellt: Habe ich schon erwaehnt, dass dir nur jemand, der dich ueber ALLE MASSEN liebt, dir diesen Brief schicken wuerde ???)

Wie gesagt: Dies ist KEIN Kettenbrief, und er sollte auf KEINEN FALL weitergeleitet werden. Sollte aber irgendwer, der diesen Brief liesst, meinen, er muesste mir Geld geben oder Schokolade schicken oder so, dann fragt mich einfach nach Adresse oder Kontonummer… ich sag da nicht “Nein”.

So .. und falls ihr es immernochnicht bemerkt habt: Dieser Brief ist genauso erfunden (inclusive der authentischen Beweise), wie die anderen Kettenbriefe auch (nur, dass dieser Brief KEIN Kettenbrief ist !!!)

Also nicht weiterschicken!
Wer mir allerdings Schokolade und Geld …
Behandle ich alles vertrauensvoll über PN.
Das Geld bitte nur unnummeriert und in ALDI-Tüten.
Danke im Voraus.

Sonntag, 9 September, 2007

Ein Fritzchen-Witz zum vorherigen Post

Gespeichert unter: Kommunikation — Careca @ 21:40

Gefunden auf der Seite der “Titanic“.

Klein Fritzchen läuft mit der Großmutter durch die Straßen. Plötzlich entdeckt Fritzchen eine Münze und will sie aufheben. Die Oma aber verbietet es ihm: “Was auf dem Boden liegt, hebt man nicht auf!” Wenige Schritte weiter sieht Fritzchen einen Geldschein. Wieder ermahnt die Oma: “Was auf dem Boden liegt, hebt man nicht auf!” Kurz danach rutscht die Oma auf einer Bananenschale aus und fragt: “Willst Du mir nicht aufhelfen?” Sagt das Fritzchen: “Das kommt davon, wenn man unverschleiert rumläuft, Hure”, rennt zurück, klaubt das Geld auf und kauft davon Zündmechanismen.

Freitag, 31 August, 2007

Der König ist tot, lang lebe der König!

Gespeichert unter: Kommunikation, Notizen an das Leben, Pluster me up — Careca @ 16:38

Es gibt da die weltberühmte Frage:
Wo warst du, als dieses und jenes geschah?
“dieses und jenes” dient dabei als Platzhalter und kann beliebig ersetzt werden wie z.B. mit “die Ermordung John F. Kennedys”, “der radioaktive Fallout Tschernobyls über Deutschland”, “der Fall der Mauer” oder “der Autounfall mit dem Mercedes”.

“Der Autounfall mit dem Mercedes” geschah am 31. August 1997 und ich saß um ein Uhr nachts an meinem PC, surfte im Internet (sic!) und spielte gleichzeitig im textbasierten MUD “Unitopia“. Es war verdammt spät, als im Radio die Meldung lief, dass möglicherweise die Prinzessin Diana bei einem Autounfall in einem Pariser Tunnel ums Leben gekommen sein soll. Sofort “brüllte” ich in diesem Internet-MUD: “Hey, Diana ist abgenippelt!” …

… Nun gut. Das war schon damals nicht sehr pietätvoll. Aber was die einen an Witze über Mooshammers Tod gerissen hatten, das geschah danach im “Schreikanal” jenes MUDs. Auch jenes inzwischen langbärtige Rätsel “Wer war der letzte Indianer?” wurde dort schon durchgeflaxt …

Inzwischen liefen ja schon genug Diana Gedächtnissendungen im Fernsehen, wo Leben und Sterben Dianas wieder ausführlich beleuchtet wurden. Aber das ist gar nichts gegenüber dem, was sich vor zehn Jahren dröhnend durch die Presse wälzte.

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte gestern eine rückwärtige Presseschau unter dem Titel “Prinzessin Diana - Königin der Schwerzen”. Nur was dort niedergeschrieben steht, ist noch nicht mal die Hälfte von dem Blätterwaldrauschen von dem, was vor zehn Jahren die Medien regelrecht verstopfte.

Ich habe ein wenig herum gekramt und einen alten Artikel von mir rausgekramt, den ich mal auf meiner privaten Homepage (Fragmente lagern noch immer auf Geocity) veröffentlichte.
Und ich denke, der gibt noch erheblich mehr vom Blätterrauschen wieder.

Aber lest selber.

Viel Spaß.

(geschrieben am 20.09.97)

Was war eigentlich das Wichtigste in der letzten so einfach dahingeflossenen Zeit? Harald Juhnke? Helmut Kohl? (… der hat übrigensletztens doch mal wieder sein altes Zitat von der weiterziehenden Karawane bemüht, als es um den EURO ging. Ich frage mich noch immer wer die Karawane ist? Die Regierung? Wenn die Regierung die Reiter sind, wer sind denn dann die Kamele? Wir? Die Opposition? Und was suchen denn dann die Reiter? Das berühmt berüchtigte Nadelöhr? Wenn ja, dann werden die Reiter wohl kaum ein biblisches Erfolgserlebnis bekommen …) Waren es Marinesoldaten, die fliegen wollten? Oder Kairo? Nein, nein, das sind nur Beistriche in der Geschichte, die das Leben schreibt, und deren Mantel wir uns immer so gerne umhängen möchten, solange er uns noch wärmt. Das, was wirklich wichtig im Leben ist, das erfuhr ich diese Woche.

Arg verschnupft, beschloss ich arbeitsplatzsichernde Maßnahmen für meinen Arzt zu ergreifen. Ich denke, der arme Mensch muss doch auch mal was verdienen, da Seehofer schon überall rumschnibbelt. Also verkniff ich mir den direkten Gang zum Apotheker und wankte fiebernd meinem Arzt entgegen. Aber der brauchte wohl meine Hilfe nicht. Der weilte gerade in Urlaub. Also, zur Vertretung.

Jo, und jetzt komme ich wieder zum Eigentlichen: Der Sadismus eines Arztes erschließt sich aus den Illustrierten, die der in seinem Wartezimmer liegen hat …
Und da lag sie, die ganze Palette: “Frau mit Herz”, “Echo der Frau”, “Bild der Frau”, etc., etc. … Ihr wisst schon, all die Zeitschriften, die sich an die weibliche Bevölkerung Deutschlands richtet. Ja, Zielgruppe: um die 50, rheumagefährdet, Mittelstand, gelangweilt, nach der Oberschicht schielend, zwei Kinder und mit Dackel. Und während einige Patienten noch schnell ihren Moulliere memorierten, beschloss ich in die Welt der YELLOW-PRESS wegzutauchen.

YEP. Diana.
Auf fast jeder Titelseite steht die Ikone der Paparazzigier abgebildet. Und überall herrscht die Losung: De mortuis nil nisi bene! Auf gut Deutsch: “Diana - Vorbild und Heilige” oder auch “Diana - Gehasst, geschasst und ausgesetzt! Die wahre Geschichte über Hänsels Gretel”.

Diana als Vorbild?

Klar, GALA titelt dazu: “Diana-Prinzip: Erziehung mit Freude” Aber Diana als Heilige? Als Heiligenbildchen zum Sammeln? Kein Problem! “Neu! Diana Poster zum Sammeln!”(NEUE WELT) Aber Diana eine Heilige?!? Zumindestens “7 TAGE” fragt: “Ahnte Diana ihren Tod vorraus?” Schade, dass sie uns darüber nichts mehr erzählen kann. Aber so ganz stimmt das auch nicht. Diana muss einem Radakteur über dessen Layout-Monitor erschienen sein und ihm wichtiges verklickert haben. Denn FREIZEIT REVUE weiß um “Dianas Vermächtnis: Erspart den Kindern meine Tränen, gebt ihnen Liebe”. Aha. Im Jenseits kann man also auch weinen. Na, hoffentlich gibt’s dort auch Tempos, wenn ihr Rotz und Wasser übers Gesicht läuft …

A propos Gesicht:
FREIZEIT REVUE erkennt plötzlich auch “Prinz William: Er sieht Diana wie aus dem Gesicht geschnitten aus” und blickt vorwurfsvoll Richtung Hoheit: “Die Queen: Hat sie aus den Vorwürfen gelernt?” Gesichter sind Ansichtssachen. Oder Profilgeschichten? Und ein anderes Heft titelt passend dazu “So will Queen Mum die Prinzen vor ihrer Tochter schützen”. Gell? Da raucht schon der Schädel! Aber was hilft es. GALA analysiert gnadenlos “William & Henry: Freudlose Jugend - Milieuschaden der Monarchie” und “Die einsamen Prinzen”. Ich schaute mich dabei ganz vorsichtig um, in dem Wartesaal, und vor meinen Augen sah ich plötzlich eine neue Titelschlagseite von TITANIC sich im Raume materialisieren: “Die Kranken: Freudlose Patienten - Milieuschaden der Wartezimmer” …

NEIN. Ich blieb hart, verscheuchte diese Haluzi und griff nach dem nächsten Heft. Ja, was glauben wir eigentlich, wie gross unser Leid sei? Andere Leute leiden mehr: “Bitter für Camilla. Charles wird Diana ewig lieben” (ECHO DER FRAU) oder “Nach Dianas Tod Prinz William setzt sich durch: Charles verzichtet auf Camilla” (DAS NEUE). Na also: Das Schiksal von Charles ist schon beschlossene Sache. Charles wird zu einem auf ewig vor sich hintrauernden, zölibatären Mönch werden. “Prinz Charles, sein letztes Geschenk an Diana: Trennung von Camilla” (NEUE WELT).

Ach ja, da ist natürlich noch jemand, den die YELLOW PRESS weder vergeben und vergessen wird: Dianas Bruder. Der Typ hat doch Dreck am Stecken, oder nicht? Muss er wohl. “Er hütet das Grab seiner Schwester wie ein Schatz: Dianas Bruder lebt jetzt in Scheidung. Wie war das Verhältnis zu seiner Schwester wirklich?” (NEUE POST) Inzest? Vampirismus? Nekrophilie? “Geheimnis um Dianas Grab” (AKTUELLE) Hm. Da stimmt doch was nicht? Da versucht doch irgendwer was zu verbergen? “Diana: Neue Rätsel und Geheimnisse um ihren Tod und ihre Beisetzung” (FRAU IM SPIEGEL) Ha! Ich glaub, ich bin auf der richtigen Spur!! FRAU MIT HERZ: “Schrecklicher Verdacht. War der Sarg von Diana leer? Undurchsichtige Rolle des Geheimdienstes” Nein. Das geht mir doch schon etwas zu weit. Gut, Elvis ist sicherlich wieder weggeflogen (Quelle: Kinofilm “Man in Black”) und in dessen Sarg hatte man als Gewichtsersatz Wackersteine gelegt, Jim Morrison liegt wohl genauso wenig in seinem Sarg auf dem Pariser Friedhof wie Curt Cobain in seinem. Denn die machen sicherlich Urlaub in der Karibik und leben von den Tantiemen. Oder wie John Lennon. Der liegt allerdings wirklich nicht in einem Sarg. Der wurde eingeäschert …

Aber zurück zu Diana und unserer Gerontologen-Amussement-Presse:
SUPER ILLU, das Heimatblatt der Ostdeutschen, triumphiert schon mal “Die letzten Geheimnisse: Jetzt kommt alles raus!” (… aus dem Sarg?) Während noch NEUE WELT vorsichtig sich mit “Geheimdokumente: Die Todesumstände werden immer mysteriöser” an des Pudels Kern heran tastet, und BUNTE mal nicht von Tom Cruise angeblicher Vasektomie sondern von “Diana & Dodi: Ihr Tod wird immer geheimnisvoller” (Liebe BUNTE. Der Tod ist schon immer eine geheimnisvolle Angelegenheit. Bislang konnte noch keiner davon erzählen, wie er so ist. Oder habt Ihr wieder ein wahres Interview wie bei anderen Promis, denen Ihr danach Schadensersatz zahlen musstet?) plaudern wollen, redet DAS NEUE BLATT schon eher Tacheles: “So starb Diana wirklich … und ein neuer Familienskandal”. Nachtigall, ick hör dir trapsen! “Das Drama im Tunnel. Unfall oder doch Mord: 8 neue Theorien” (DAS NEUE). Na also! Das ganze war doch nur eine Inszenierung der Anti-Personenmienen-Rüstungsindustrie!!! Diana hat denen in die Suppe gespuckt und da haben die wohl zurück gerotzt …

“Diana: Neue Fakten. Alles spricht für Attentat” (NEUE REVUE). Na also. Da bin ich ja beruhigt. Und ich Dummerle hatte doch wirklich geglaubt, mit 1,75 Promille und den Segnungen der weltweiten Psychofarmakaindustrie versehen, könnte man einfach so - mir nichts, dir alles - eine Luxuskarosse (dessen Stern auch tagsüber in Stuttgart nicht untergeht) mit 195 km/h zersägen. Jaja, stimmt, jetzt wird ja über rotes italienisches Fahrzeug spekuliert, welches eventuell des Chaffeurs Defizite auf niederträchtigster Weise auffliegen ließ.

Rotes italienisches Fahrzeug?
Moment.
Da fällt mir was ein: Hat eigentlich schon jemand Michael Schumachers Alibi zur angeblichen Tatzeit kontrolliert? Ach nee, stimmt ja. Schumacher fährt ja Ferrrari und nicht Fiat. Obwohl, Ferrari gehört doch dem Fiat-Konzern!

Für mehr Spekulationen über den Tod der britischen Übermutter und Verkörperung der “Königin der Herzen” blieb keine Zeit, der Arzt rief mich rein.

Nur zwei Sachen vielen mir noch ein:

1. Als der Bruder von Diana in seiner ersten Stellungnahme über die Todesumstände seiner Schwester hinsichtlich der omnipräsenten Paparazzis sprach und erklärte, die Chefredakteure der YELLOW PRESS hätten jetzt Blut an ihren Händen, da hatte er wohl nicht vor Augen, welche ebenfalls blutgierige Meute mit dem Blut jetzt ernährt wird. Na, ich wurde diesmal auch mit ernährt.

2. Als ich letztens in einem CD-Laden “lustwandelte”, hing dort ein Zettel, dass Elton Johns CD-Single schon vergriffen sei, aber man könne ja auf die Aufzeichnung der Beerdigung auf CD zurückgreifen. Beim Durchblättern der YELLOW PRESS-Hefte wurden dort insgesamt (überschlägig geschätzt) an die 2000 CDs zur Verlosung ausgelobt. Ich habe so den Verdacht, die CDs wurden wahrscheinlich alle von den Print-Medien aufgekauft, um sie nachher zu verlosen … Oder haben die Hefte im Wartezimmer mir jetzt auch den restlichen Fünckchen Verstand geklaut? …

Wieso ich sowas schreibe?

Ich las gestern einen Artikel, dass der Fall “Diana” keine ernsthaften Konsequenzen für die “journalistische” Methoden der Paparazzi, geschweige denn für die Boulevard-Presse insgesamt haben wird. Der Presserat als Selbstkontrollorgan der Print-Medien lehnt schärfe Sanktionen gegenüber Zeitungen und Zeitschriften, die den Pressekodex verletzt haben, beispielsweise in der Form von Bußgeldern, weiterhin ab. Süddeutsche Zeitung Nr.216 v. 19.09.1997: “Wegen der Verletzung des Pressekodex rügte und mißbilligte der Presserat erneut mehrere Printmedien. Eine öffentliche Rüge sprach er gegen die BILD-Zeitung aus, die über den Selbstmord eines Krebsarztes in unverhältnismässiger Weise berichtet hatte. Eine nichtöffentliche Rüge erhielt der STERN für eine Passage in der Lebensgeschichte eines Sexualstraftäters, in der dieser ausführlich den Tathergang schilderte.”

Und dann noch das Gladbecker Geiseldrama 1989. Live im Fernsehen und Radio …
… war da was? …

Donnerstag, 17 Mai, 2007

Der Handy-Toaster

Gespeichert unter: Kommunikation — Careca @ 22:51

Früher musste man noch Formel-1-Fahrer werden, um sich ein verkrüppeltes Ohr zu holen.

Heute geht das Problemlos mit einem Handy. Man muss nur lange genug mit so einem Ding telefonieren. Von Handy-Providern und Gehirnchirugen empfohlen. Von Krebsforschern festgestellt.

Und wer sein Handy dauernd nur in der Hosentasche trägt, muss sich nicht über Impotenz danach wundern …

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