Notizen aus der Provinz

Mittwoch, 7 Mai, 2008

Auf der Suche nach Feuchtgebiete

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben — Careca @ 7:07

Wenn ich so auf meinen Blog und deren diverse zwei Dutzend Posts schaue, dann gibt es genau zwei Posts, die mittels der Ergebnisse von Suchbegriffen (bei Google und Co.) so richtig gerne besucht werden. Das eine Post ist über die Intimrasur beim Mann und das andere über andere männliche feuchte Gebiete.
Eindeutig.
Die Internet-Menschheit ist unterwegs auf der Suche nach Feuchtgebiete.
Nicht erst seit Charlotte Roche.
Will ich also mehr Publikum, dann sollte ich meinen Content vielleicht doch stark überdenken:
Mehr “Sex, Drugs and Rock’n'Roll”.

Oder wie der Deutsche zu pflegen sagt:
“Wein, Weib und Gesang”.

Daher jetzt für alle ein wenig mehr Erotik an dieser Stelle für alle Suchmaschinennutzer mit Worten á la Charlotte Roche:

Smegma!

Und dann ab mit ‘nem Bier in die Feuchtgebiete.
Wohl bekommt’s …

Montag, 17 Dezember, 2007

Radioaufnahmen per Computer leichtgemacht

Gespeichert unter: Blogroll, Pluster me up — Careca @ 15:29

Für Interessierte von Musikaufnahmen mit dem Computer:

Es gibt viele Möglichkeiten Radiosendungen aufzunehmen. Mit einem Kassettenrekorder direkt vor den heimischen wummernden Boxen, mit einem Kabel vom Tuner aufs Tapedeck oder gar zu seinem PC über den Audio IN-Stecker.
Naja, da eine Reihe von Radiosender inzwischen ihr Programm übers Internet auch online geschaltet haben, gibt es eine einfachere Sache. Man schneidet sich den den Stream auf den PC mit.

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder man greift sich mit einem Sonderprogramm die Soundausgabe der Grafikkarte ab, wandelt und schneidet das Ganze als MP3 um oder …

Vormals hatte ich für das problemlose Mitschneiden von Radiosendungen im Internet onlineTV verwendet.
Heute bin ich auf ein Programm gestoßen und das hat mich doch schon recht stark begeistert. Das Programm heisst “ClipInc.vier!”.

“ClipInc.vier!” ist recht unkompliziert aufgebaut und nimmt all das auf, was von einem selbst gewählten Radiostream aus dem Internet ausgegeben wird.
Wobei, das stimmt nicht mit dem “einem”. Es kann von bis zu drei Radiosender gleichzeitig aufgenommen werden. Es ist ohne Probleme über die integrierte Timeshift-Funktion möglich, auf den drei Sendern hin- und herzuspringen und dann mittels der Timeshift-Funktion das bereits gesendete Programm stichprobenartig quer zu checken. Die aufgenommene Musik-/Programmstücke werden abhängig vom Radiosender bereits vom Programm so vorbereitet, so dass diese nur mit einem Mausklick abgespeichert werden können.
Desweiteren werden noch Infos zu Titel, Alben, Künstler und deren Historie, Songtexte und Coverbilder angeboten, die ebenfalls einen Mausklick entfernt aufrufbar sind. “ClipInc.vier!” nennt dieses System “Mashup” und es funktioniert recht gut und brauchbar. Viele Radio-Sender liefert das Programm bereits in einer Liste mit.

Das Programm ist freeware und übersteigt meiner Meinung locker den funktionalen Umfang von onlineTV. Insbesondere das Aufnehmen von drei Radiosendern gleichzeitig finde ich schon beeindruckend.
Ach ja, eine DSL-Flatrate ist für so ein Programm ratsam und unerlässlich. Eine Stunde Aufnahme einer 128 kbps-Sendung (z.B. EinsLive) erzeugt dabei eine ca. 50 MB große MP3-Datei auf dem Rechner.

Das Programm “ClipInc.vier!” kann hier direkt herunter geladen werden.
Meiner Meinung nach lohnt es sich.
Vielleicht liest sich deswegen mein Post jetzt wie kritiklose Werbung pur, obwohl ich es nicht so meine und trotzdem fast eindeutig anders handle …
Aber “ClipInc.vier!” finde ich schon ein recht imposantes Stück freeware-Software.

Donnerstag, 25 Oktober, 2007

Das Wort zur guten Nacht

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben — Careca @ 23:43

“Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.”

Wolfgang Neuss

Mittwoch, 24 Oktober, 2007

Que passa, Blogosphäre? No pasaran?

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben — Careca @ 20:24

Hallo und Halali.
Heute bereiten wir uns ein Wildbret.
Wildbret gilt es bekanntermaßen zu erlegen. Über Kimme und Korn. Und wenn Kimme fehlt, dann kann man das Korn auch so schlucken.
Hauptsache es macht besoffen und dröhnt.

Desweiteren benötigen wir einen rammelnden Wildhasen, ein heimtückisches Reh oder ein absolut dreckiges Wildschwein. Einen kapitalen Elch findet man in diesen Breitengraden nicht so häufig. Aber wenn man so einen dann trifft und jagen will, dann gibt es Ärger mit den Zoowärtern. Aber statt eines kapitalen Elchs kann man auch notfalls mit einem Oberhirschen vorlieb nehmen.
Aber bitte dann nicht mit dem Hirsch von Ober aus meiner Kneipe, okay? Ich möcht mich auch mal wie Jagende zu dröhnen dürfen. Halali.

Generell sollte es schon freilebendes Wild sein. Denn Gatterwild kann jeder stinknormale Blogger erlegen. Gatterwild kann schließlich jeder abknallen. Selbst wenn man den Jäger zuvor mit Baldrian beruhigt einen halben Meter nahe an das mit Valium betäubte Wild herangeführt hat.
Wild schmückt eben ungemein.

Halali.

Und Wild muss es sein.
Eine wilde Kreatur.
Eine von der Straße.
Mit bleckenden Zähnen und Baseballschläger. Umgeben von einer applaudierenden Meute …

Hm.
Zu wild?
Nun gut.
Dann also doch Gatterwild.
Aus dem eigenen zoologischen Garten.

Dann darf es auch ein kapitaler Elch sein. Oder ein echte Wildsau. Oder ein bunter verzweifelt flatterndes Wildfedervieh a la Fasan.

Hauptsache wild!
Alles ist gut, solange es wild ist!
Und nicht nur für wilde Kerle zum Jagen. Sondern auch für wilde Weiber. Aber so genau will es niemand wissen.

Wichtig beim Jagen - das sagt jeder Jäger - ist es, das Wild auf offenes Terrain zu treiben. Oder zumindestens in ein Nachbargatter.
Manchmal klappt aber das auch nicht wirklich so ganz. Denn vielleicht gefällt es dem zu jagenden Wild in dessen Gatter zu bleiben und weiter zahnlos zu lächeln.

Dann muss das wilde Gatterwild aufgescheucht werden. Am besten mit einem riesigen
Trommel -
Wirbel -
Pauken -
Ballyhoo -
Gedröhne. Dann werden noch diverse Schilder deutlich sichtbar auf jede erreichbare Lichtung eingeschlagen. Und weil das sich zahnlos gerierende Wild sich zum Erlegen noch immer nicht vor die Flinte bewegt, wird fleißig lautstark gedroht, einen professionellen staatlichen Jäger an jenes Gatter zu schicken, um es dann offiziell erledigen zu lassen.

Halali.

Ein wenig später wird dann festgestellt, dass der Gatterbesitzer wohl genau so schlimm sei wie das Gatterwild. Denn schließlich könne ja der Gatterbesitzer das Gatterwild locker selber erlegen. Und täte er es nicht, wird jener öffentlich vergattert, auch der nicht viel besser als dessen Gatterinhalt zu sein. Und das Schreiben an den professionellen staatlichen Jäger sei ja auch schon seit Jagdbeginn fertig im Couvert.

Halali.

Hat dann aber der Besitzer des zoologischen Gartens das Gatter des zu erledigenden Wilds aufgelöst und das darin hüpfende Wild rausgeschmissen, dann freut sich die Jägermeute. In jubelnden Arien wird glorifiziert, über deren eigenen Androhungen, offiziellen Jägern Bescheid gegeben haben zu können, aber nicht gemacht zu haben sondern deren eigenes Jagdsystem durchgesetzt zu haben.

Ziel erreicht, Klappe zu, Affe tot.

Das Wildbret ist den Jägern zwar durch die Lappen gegangen, weil denen schon lange zuvor die Kimme abhanden gekommen war. Und somit besäuft man sich an deren eigenem Korn.

Halali.

Hallo?
Halali?
Hallihallohallöle!

Sowas klappt einmal, sowas klappt zweimal, sowas klappt dreimal. Wenn man es eben nur nach jener Systematik treibt. Das Jagdvieh ist austauschbar.
Es muss ja nicht unbedingt ungenießbares und krankes Wild sein. Und es kommt ja auch nicht wirklich auf das Wild an sondern eher auf den Jagd-Reflex und das, was bei anderen dabei auch noch aktiviert werden kann.

Nur das dumme dabei ist:
Sollte das Wild nur auf zahnlos gemacht haben und in Wahrheit eine echte Ratte sein, dann würde nachher wirklich jeder drüber trauern, dass man nicht einen offiziellen staatlichen Rattenjäger mit der Jagdaufgabe betraut habe und jetzt die Ratte sich weiterhin rattig vermehrt.

Nun ja.

Eine wilde Ratte ist ja kein Wildbret sondern eine wirkliche Bedrohung. Aber das wird den Jagenden wohl egal sein. Denn solange bei fehlender Kimme und massenhaft Korn ein Rausch möglich ist, werden solche Rattentheorien ins Reich der puren Kaffeesatzleserei verbannt. Systematisch verbannt.

Und die Moral von der Geschicht?
Wildbret kauft man besser tiefgekühlt im Supermarkt ihres Vertrauens.
Und bitte auf das Haltbarkeitsdatum achten. Nicht dass es schon Gammelfleisch ist bevor man es vor dem eigenen Flintenlauf zurecht drapiert hat.
Wild drapiert, versteht sich.

Hauptsache wild!
Alles ist gut, solange es wild ist!

Halali.

Montag, 8 Oktober, 2007

Aftermath: One Post for Burma

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben — Careca @ 21:37

In diversen Blogs wurde es schon angesprochen:
Ist der alleinige Eintrag am 4. Oktober mit dem Banner für “Free Burma” wirkungsvoll?
Wird die Blogosphäre damit Zeichen setzen können?
Oder sind das alles nur Lippenbekenntnisse?
Ich hatte am 4. ebenfalls das Banner gesetzt.
Und prompt erhielt ich als Kommentar:

Oder bei der nächsten Mahnwache, Sonntag 14.10. 18 Uhr vor der Ludwigskirche in MUC.

Na?
Wie weit geht meine Solidarität jetzt für Burma?
Worte sind schön, aber Hühner legen Eier. Auch fern ab der Blogosphäre der Bits und Bytes, der Eins und Nullen …
Also: Alles Blog-Post, oder was?

Danke, Lasagnemutti für diese einfache, aber wirkungsvolle Nagelprobe.

Und liebe Leser, wie sieht es für euch aus?
Ich stehe vor meiner Konsequenz. …

Samstag, 6 Oktober, 2007

Wenn’s beim Email-Empfang zweimal scheppert, …

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben — Careca @ 9:23

… dann ist es was gaaaaaanz wichtiges. Oder es ist Spam. Oder es ist …
Gestern schepperte mein Email-Programm mal wieder vor sich hin. Interessiert schaute ich in mein Postfach.
Ganz große Augen bekommen habe ich da bekommen. Offenbar hat mich jemand bei “BearShare” angemeldet. Bei einem Filesharing-Programm.
Schön. Da hatte mir also jemand für meine Email-Adi einen account geschaffen. Mit Passwort und so.
Wäre ich jetzt ein abmahnwütiger Anwalt, ich würde “BearShare” erst einmal ne einstweilige Verfügung mit Rechnung über 660 Euro schicken … aber ich bin weder Rechtsanwalt noch möchte ich Urteile verbraten bekommen wie der Münchener Rechtsanwalt Herr Gravenreuth, dem jetzt drei Monate Gefängnis drohen.
Ich habe mir also das Programm runtergeladen und gleich meine account-Daten geändert.
Also, lieber Email-Mißbraucher. Grüße von mir.
“BearShare” interessiert mich nicht die Bohne. Aber meine account-Daten schon.

By the way, lieber Email-Mißbraucher: Mein Geburtsdatum ist auch nicht der 21-Juli-1965. Aber das ist ja auch nicht wirklich wichtig.

Donnerstag, 4 Oktober, 2007

One Post for Burma: FREE BURMA

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben — Careca @ 16:57


Free Burma!

Mittwoch, 3 Oktober, 2007

Als das gestohlene, rosarote Kaninchen Genugtuung empfand …

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben, Pluster me up — Careca @ 12:00
Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen,

wir feiern heute den zweiten Gedenktag für den bedeutenden Tag, an dem es endlich auf unkonventionellem Weg gelang die gesamte rechtsradikale Szene zu verbieten.

Wir würdigen hierbei heute die Verdienste vom Briefträger Heinrich Otto Sturm. Ohne ihn würden wir diesen Tag nicht begehen können. Der Kollege Heinrich Otto hatte nach dem Gaffel-Leut-Urteil in einem Kommentar-Strang bei dem Heise-Verlag die Idee, etwas ähnliches erreichen.
Heinrich Otto Sturm suchte sich übers Internet vierzig Anwälte heraus, die als sehr bis äußerst “abmahnfreudig” bekannt waren und trug deren Email-Adressen bei den Newsletter der rechtsradikalen Szene ein. Das nachfolgende bescherten uns das, woran Politiker schon seit Jahrzehnten knabberten: Das Verbot für jene rechtsradikalen Vereine, welche immer wieder Mitbürger mit ihrer Einstellung terrorisierten.

Denn jeder dieser Anwälte setzte sofort eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung an jene rechten Gesellen auf und stellte diese denen per Einschreiben denen zu. Nun wäre die Zahlung finanziell für jene nur ein Griff in der Portokasse gleich gekommen. Aber die Köpfe der Vereine ignorierten die Schreiben.
Nach dem ersten Erinnerungsschreiben schüttelten diese noch ungläubig den Kopf und schrieben u.a. handschriftliche Drohbriefe zurück. Diese wurden mit erneuter einstweiligen Unterlassungsverfügungen mit hohem Streitwert beantwortet.
Als nach einiger Zeit die abmahnenden Anwälte durchgriffen und die Besitztümer wegen unbeglichenen Rechnungen (Anwaltkosten, Briefmarken und Postanfahrtswege, Verwaltungsgebühren, Rechtsstreitwertfindungskosten, Mahnkostenfindungs, Mahnmehrwertkosten, usw.) pfänden ließen, brachten die Rechten auch deren Anwaltsriege in Stellung. Aber das darauf folgende aufzuhalten, dafür war es da bereits zu spät. Die abmahnwütigen Anwälte pfändeten nicht nur deren Immobilien, sondern auch Internet-Seiten, welche sie an internationale Internet-Heuschrecken verkauften.
Dieses stringente und oft befürchtete Handeln der klagenden Anwälte missfiel nun endgültig den Oberen der rechten Szene und sie aktivierten ihre Schlägertrupps. Da die elektronische Kommunikation aufgrund der Beschlagnahme derer Internetplattformen zusammen gebrochen war, verschickten die Oberen den Marschbefehl zu den abmahnenden Anwaltskanzleien an deren eigene Schlägertrupps mit der normalen Post.
Einen dieser Briefe hätte der Briefträger Heinrich Otto Sturm ausliefern sollen. Er jedoch saß lieber in einer Kneipe und vergaß dort eben jenen Brief.
Der Wirt fand ihn, öffnete ihn und brachte ihn zur Polizei. Im Zuge der Ermittlungen konnte es nicht verhindert werden, dass die betroffenen abmahnenden Anwälte zum Teil lebensgefährlich durch rechte Schlägertrupps verletzt wurden. Denn die Polizei ging zuerst nicht von einer rechtsradikal motivierten Tatplanung der Hintermänner der rechten Szene aus. Erst auf Druck der überregionalen Presse wurden dieser im Nachgang einer Überprüfung festgestellt und sowohl die Schlägertrupps, deren Hintermänner und deren Organisationen wurden dann gemäß des Terrorismusparagrafen §129b festgenommen und eingesperrt. Und erst als dieses Fakten von der Exekutive der Bundesrepublik Deutschland geschaffen worden waren, kam die Legislative der Zustimmung des Verbotsantrag im Bundestag nach.
Somit war nicht nur der ganze rechte Sumpf trocken gelegt, sondern auch das Problem mit dem Abmahnverhalten mancher Anwälte war damit gelöst. Denn auch diese gingen nach deren Genesung ebenfalls den Gaffel-Leuth-Weg durch die Mühlen der Justiz.

Heinrich Otto Sturm wurde im übrigen wegen grober Dienstvergehen und Unzuverlässigkeit als Briefträger ohne Pensionsansprüche entlassen und in Folge auch wegen vorsätzlicher, geplanter Veranlassung von Spam rechtskräftig zu zwei Jahre ohne Bewährung in einem besonders schweren Fall - der bekanntlich zur Körperverletzung Unbeteiligter führte - verurteilt.

Heinrich Otto Sturm starb letztes Jahr unter ungeklärten Umständen in seiner Zelle an einer Überdosis von Barbituraten.

Wir wollen seiner gedenken …

Sonntag, 30 September, 2007

Kandidat für das Unwort des Jahres einfach zum Fremdschämen

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben — Careca @ 10:40

Ich nehme mir ein Makaken-Neugeborenes in beide Hände, halte es vor meinem Gesicht und strecke ihm die Zunge raus. Das Makaken-Baby streckt mir die Zunge raus.
Und jetzt schäme ich mich fremd für das Makaken-Baby. Wie kann es nur solch eine ungezogene Unartigkeit für Mitteleuropa nachmachen?
Und weil ich mich jetzt für das Makaken-Baby fremdschäme, schämt es sich für mich fremd.

Was will uns diese sinnlose Übung sagen?
Sowohl Makaken-Baby als auch der Mensch scheinen über Spiegelneuronen zu verfügen.
Spiegelneurone?

Spiegelneurone (auch: Spiegelneuronen) sind Nervenzellen, die im Gehirn während der Betrachtung eines Vorgangs die gleichen Potenziale auslösen, wie sie entstünden, wenn dieser Vorgang nicht bloß (passiv) betrachtet, sondern (aktiv) gestaltet würde.

Quelle: Wikipedia
Diese Spiegelneuronen könnten eine Erklärung dafür sein, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, mit zu leiden. Genau das zu empfinden, was und wie der andere empfindet. Freude, Leid, Neid, Triumpf, Ekel. All diese Emotionen, die einem den Tag so bedeutsam machen können.
Aber der Mensch kann sogar noch mehr. Er kann sich sozusagen anstatt eines anderen schämen.
“Ich würd’ mich an deiner Stelle schämen!” ist so ein bekannter Satz. Nur kommt dieser Satz mit soviel erhobenen moralischem Zeigefinger daher, dass man sich dafür schon wieder schämen muss. Und das in Zeiten, wo es doch darauf ankommt, moralisch einwandfrei zu sein.
Daher hatten sich schlaue Köpfe in Deutschland zusammengesetzt, um einen Ersatz für den langen unhandlichen Satz “Ich würd’ mich an deiner Stelle schämen” zu finden. Diese Wortfindungskomission mit dem Gesamt -IQ von knapp 100 grübelte hinter verschlossenen Türen. Erst stieg dumpfer grauer Rauch auf und jeder meinte nur: “Das wird noch!”
Fünf Tage grübelten und dachten sie. Und am sechsten Tag stieg kurz vor Mitternacht urplötzlich weißer Rauch auf. Die Leute draußen jubelten und waren gespannt wie Flitzebögen. Aber am siebten Tag ruhte die Wortfindungskomission bekanntermaßen angesichts ihrer veritablen Schöpfungsphase. Somit gingen viele enttäuscht nach Hause und verpassten den Montag, als die Komission verkündete:
“Die Tätigkeit, sich ersatzweise öffentlich für andere zu schämen und die normalerweise mit dem Satz ‘Ich würde mich an deiner Stelle schämen’ beschrieben wurde, heiße ab heute: Fremdschämen.”
Nun ja.
So oder so ähnlich wurde dieses neue Unwort erfunden. Und ich muss sagen, es ist ein wirklich guter Kandidat für die Komission, die immer das Unwort des Jahres sucht.
Wenn nämlich ein Wort das ausdrückt, was man einerseits für andere moralischerweise machen würde, andererseits aber das ausdrückt, für was man sich generell schämen sollte, dann ist es das Unwort “Fremdschämen”.
Und das alles wegen ein paar lächerliche Spiegelneuronen bei uns im Hirn.
Nun ja. Dann lasst es uns mal das Verb konjugieren:

  • Ich schäme mich fremd.
  • Du schämst mich fremd.
  • Er sie es schämt mich fremd.

Ups.
Kleiner Fehler.
Ich muss mich an dieser Stelle für mich fremd schämen. Denn das Verb ist eindeutig reflexiv und somit sollte es richtigerweise heißen:

  • Ich schäme mich fremd.
  • Du schämst dich fremd.
  • Er sie es schämt sich fremd.
  • wir schämen uns fremd.

Hm.
Kann ich mich eigentlich auch für jemanden fremd schämen, der mir bekannt ist?
Kann ich mich für jemanden bekannt schämen?
Wenn also ein Blogfreund, mit dem ich schon diverse Bierchen getrunken habe, plötzlich mitten des nachts auf der Strasse in Unterhosen da steht, weil er ohne Hose dasteht, kann ich mich dann für meinen Freund überhaupt “fremd schämen”?Müsste ich mich nicht “bekannt schämen”?
Wenn mir ein Schauspieler oder Fußballspieler bekannt ist, wäre dann “fremd” schämen nicht eine radikale Brüskierung meiner eigenen Kenntnisse über diesen und für den nicht eine Art indirekte Beleidigung ihm gegenüber?
Und ist mir jemand wirklich absolut fremd, kann ich mich dann wirklich für ihn “fremd schämen” oder ist das ganze nicht einfach nur eine Mache, um mich im moralisch besseren Licht dar zu stellen. Mich im Vergleich zu anderen als den besseren zu profilieren?
Inzwischen begegne ich dem Wort “Fremdschämen” immer häufiger. Auch hier in den Blogs ist das Wort ja eine ausgesprochene Modewelle geworden. Sei es in den Kommentaren, wo sich wirklich kollektiv fremd geschämt wird oder in den Blogs selber (so wie ich jetzt), wo sich jemand mit erhobenen moralischen Zeigefinger fremd schämt.
Wie ich jetzt.
Das Wort ist eh fatal. Man kann es gar nicht benutzen, ohne dass man sich als den Besseren darstellt.
Außer man ist eine Enzyklopädie.
Aber nicht einmal Wikipedia kennt bislang dieses Wort. Zwar findet sich zum Thema “schämen” der folgende Satz “Scham hat zu empfinden, wem Unrecht zugefügt wurde”. Aber das Wort “Fremdschämen” ist dort noch undefiniert.
Vielleicht hat es auch noch niemand reflektiert, wie häufig das Wort inzwischen als neuer moralischer Zeigefinger verwendet wird.
Für mich ein Kandidat für das Unwort des Jahres. Ich werde der Uni Frankfurt dieses Wort als Unwort vorschlagen. Wat mut, dat mut.
Fremdschämen.
Ein Modewort im Spiegel der Zeit.
Womit ich wieder bei den Spiegelneuronen wäre.
Ich strecke gleich nochmals dem Äffchen meine Zunge raus. Und anschließend schäme ich mich mit brutalst offener Radikalität für das Äffchen einfach mal richtig fremd.
Und fühle mich dann gut.
Richtig fremd gut.
Hugh.

Montag, 24 September, 2007

Transparenz und Harmonie

Gespeichert unter: Blogroll, Notizen an das Leben — Careca @ 20:31

Es war eines der seltsameren Erlebnisse dieses Monats.
In einer mitteleuropäischen Kleinstadt in einer koreanischen Firma zu gelangen, ist ja nicht jedem vergönnt. Insbesondere nicht den Menschen jener Kleinstadt, wo die Firma sich zur Jobmaschine entwickelte und Dornröschen wach küsste. Mit absoluter Sicherheit sind die Beschäftigten der Firma stolz darauf, in ihr arbeiten zu können.
Aber deren Verhalten kam mir irgendwie seltsam vor. Der Gesprächspartner saß vor mir und wir fachsimpelten auf hohem Niveau im flüssigsten Englisch.
Soweit so gut, so beeindruckend.
Nur eines fand ich arg seltsam. Er wich meinem Blick permanent aus. Nein, nicht nur das. Er suchte einfach keinen Blickkontakt. Als ob Blicke die reinste Aggression mir gegenüber sein würden. Als ob ich sein Chef wäre und er von mir einen Rüffel erwarten würde. Seine Finger fuhren dauernd fahrig um seinen Bart und seine Handfläche verbarg immer wieder seinen Mund. Es schien, als wolle er seine gerade gesagten Worte wieder einfangen. Ungeschehen machen. Fast wie verlegen erschien er mir. Dabei war er derjenige, der die Forderungen stellte und nicht ich.
Situation paradox.
Paradox erschien mir auch, dass die Parolen in der Firma nicht in der Landessprache ausgeschrieben waren. Sie waren in Englisch und nur in Kleinschrift darunter übersetzt in der Landessprache.
Auf einem Firmenrundgang erblickte ich einen Schaukasten. Fotos befanden sich darin. Offensichtlich war die koreanische Konzernspitze zu Besuch in jenem niegel-nagel-neuen Werk. Auf einem Foto schritten acht kleine rundliche Herren in grauen Blousonjacken, schwarzen Hosen und gelben Helmen zielstrebig auf dem Fotografen zu. Nur die beiden Herren in der Mitte trugen rein schwarze Anzüge und weiße Helme.
Auf einem anderen Foto stand einer dieser gänzlich schwarz-gekleideten Herren vor einem Plakat und deutete darauf, während drei Blousonjacken militärisch straff aufgerichtet daneben standen und konzentriert auf das Plakat starrten. Das Foto hatte was von einer militärischen Lagebesprechung während eines Feldzuges. Ein Hauch von Zweiter-Weltkrieg-Lagebesprechung umwehte das Bild. Auch wenn es kaum zwei Wochen alt war.
Steinharte Gesichter.
Kein Lächeln.
Nur ernst erstarrte Gesichter.
Viele weitere ähnliche Fotos hingen aus.
Und dabei fiel mir auf, dass ich auf keinen der Fotos einen Mitteleuropäer sehen konnte. Es waren ausschließlich Koreaner zu sehen. Ich wandte meinen Blick von den Fotos ab und schaute um mich herum. In der Halle sah ich nur Mitteleuropäer arbeiten. Nirgends sah ich einen Koreaner oder Asiaten. Nur Mitteleuropäer. Aber auf dem Foto … .
Es war eigentümlich.
Klar, die Firmenleitung und alle wichtigen leitenden Positionen bis ins mittlere Management runter sind von Koreanern (Süd) besetzt worden.
Und dann fiel mir ein, was mir ein Erfahrener in Sachen “Südkorea” erzählte:
Auf Besprechungen kann es bisweilen schon recht rüde und brutal zugehen. Da fliegen auch schon mal volle Papierkörbe auf Tischen. Es wird gebrüllt, gedroht und manch einer wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Und da kniet dann auch schon mal jemand sich vor den Oberen nieder und bittet weinend um Vergebung …
Und dann dachte ich wieder an meinen Gesprächspartner und sein Verhalten mir gegenüber.
Eine Idee kam mir. Eine ungeheuerliche Idee.
Konnte es sein, dass er koreanisch eingenordet wurde? Dass sein Verhalten das Verhalten eines Untergebenen ist? Dass der Untergebene mit den anderen Mitteleuropäern eine andere Klasse bildet und die Korea die “Unsichtbaren” im Werk sind?
“Transparenz und Harmonie” hat sich das Werk auf ihren Fahnen geschrieben, um als Firma in Europa respektiert zu werden. Das Werk strahlt wirklich harmonisches aus. Selbst als ich sah, dass deren Produkte dutzendweise zur Nacharbeit in eine Schlange standen. Harmonisch sah das aus.

Als ich das Werk verließ - mein Gegenüber hatte mich zum Tor gefahren und zu diesem Zwecke davor kurz gehalten - kamen drei Sicherheitsleute aus ihrem steinernen Verschlag gesprintet. Ihre Kleidung drückte an puresten Martialismus aus. Kahlgeschorene Köpfe gekleidet mit an Pluderhosen erinnerndes, schwarzes Beinkleid und mit glänzenden Springerstiefeln ausgerüstet. Mein Gegenüber musste sofort seinen Werksausweis vorzeigen und jenes Faktotum notierte sofort dessen Namen, bevor mein Gastgeber sich hastig verabschiedete und sofort wegfuhr.
Der Sicherheitbeauftragte stand vor mir in martialischer Pose und seine anderen Substituten beobachteten mich ausgesprochen und deutlich fühlbar mißtrauisch. Als ich das Werk verließ, wunderte ich mich, dass meine Taschen nicht gefilzt wurden. Hätte aber jemand gefunkt “Haut ihn weg!”, ich hätte diese Wunderbilder von “Viel Panzer wenig Hirn”-Vertretern nicht überlebt.

Als ich das Werk auf der anderen Seite des Sees passierte, lag das Werk vertäumt unter blauem Himmel vor der bergigen Hügelkette.
Irgendwie transparent und harmonisch … .

Nebenbei: Jene koreanische Firma plant einen eigenen Flughafen in dem 85.000 Einwohnerort, um dann eine Direktfluganbindung nach Seoul aufzubauen. Bislang liegt der nächst grössere internationale Flughafen 300 km entfernt in einem anderen Land. Vom Arsch der Welt in eines der Herzen dieser Welt …

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