Notizen aus der Provinz

Freitag, 31 August, 2007

Der König ist tot, lang lebe der König!

Gespeichert unter: Kommunikation, Notizen an das Leben, Pluster me up — Careca @ 16:38

Es gibt da die weltberühmte Frage:
Wo warst du, als dieses und jenes geschah?
“dieses und jenes” dient dabei als Platzhalter und kann beliebig ersetzt werden wie z.B. mit “die Ermordung John F. Kennedys”, “der radioaktive Fallout Tschernobyls über Deutschland”, “der Fall der Mauer” oder “der Autounfall mit dem Mercedes”.

“Der Autounfall mit dem Mercedes” geschah am 31. August 1997 und ich saß um ein Uhr nachts an meinem PC, surfte im Internet (sic!) und spielte gleichzeitig im textbasierten MUD “Unitopia“. Es war verdammt spät, als im Radio die Meldung lief, dass möglicherweise die Prinzessin Diana bei einem Autounfall in einem Pariser Tunnel ums Leben gekommen sein soll. Sofort “brüllte” ich in diesem Internet-MUD: “Hey, Diana ist abgenippelt!” …

… Nun gut. Das war schon damals nicht sehr pietätvoll. Aber was die einen an Witze über Mooshammers Tod gerissen hatten, das geschah danach im “Schreikanal” jenes MUDs. Auch jenes inzwischen langbärtige Rätsel “Wer war der letzte Indianer?” wurde dort schon durchgeflaxt …

Inzwischen liefen ja schon genug Diana Gedächtnissendungen im Fernsehen, wo Leben und Sterben Dianas wieder ausführlich beleuchtet wurden. Aber das ist gar nichts gegenüber dem, was sich vor zehn Jahren dröhnend durch die Presse wälzte.

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte gestern eine rückwärtige Presseschau unter dem Titel “Prinzessin Diana - Königin der Schwerzen”. Nur was dort niedergeschrieben steht, ist noch nicht mal die Hälfte von dem Blätterwaldrauschen von dem, was vor zehn Jahren die Medien regelrecht verstopfte.

Ich habe ein wenig herum gekramt und einen alten Artikel von mir rausgekramt, den ich mal auf meiner privaten Homepage (Fragmente lagern noch immer auf Geocity) veröffentlichte.
Und ich denke, der gibt noch erheblich mehr vom Blätterrauschen wieder.

Aber lest selber.

Viel Spaß.

(geschrieben am 20.09.97)

Was war eigentlich das Wichtigste in der letzten so einfach dahingeflossenen Zeit? Harald Juhnke? Helmut Kohl? (… der hat übrigensletztens doch mal wieder sein altes Zitat von der weiterziehenden Karawane bemüht, als es um den EURO ging. Ich frage mich noch immer wer die Karawane ist? Die Regierung? Wenn die Regierung die Reiter sind, wer sind denn dann die Kamele? Wir? Die Opposition? Und was suchen denn dann die Reiter? Das berühmt berüchtigte Nadelöhr? Wenn ja, dann werden die Reiter wohl kaum ein biblisches Erfolgserlebnis bekommen …) Waren es Marinesoldaten, die fliegen wollten? Oder Kairo? Nein, nein, das sind nur Beistriche in der Geschichte, die das Leben schreibt, und deren Mantel wir uns immer so gerne umhängen möchten, solange er uns noch wärmt. Das, was wirklich wichtig im Leben ist, das erfuhr ich diese Woche.

Arg verschnupft, beschloss ich arbeitsplatzsichernde Maßnahmen für meinen Arzt zu ergreifen. Ich denke, der arme Mensch muss doch auch mal was verdienen, da Seehofer schon überall rumschnibbelt. Also verkniff ich mir den direkten Gang zum Apotheker und wankte fiebernd meinem Arzt entgegen. Aber der brauchte wohl meine Hilfe nicht. Der weilte gerade in Urlaub. Also, zur Vertretung.

Jo, und jetzt komme ich wieder zum Eigentlichen: Der Sadismus eines Arztes erschließt sich aus den Illustrierten, die der in seinem Wartezimmer liegen hat …
Und da lag sie, die ganze Palette: “Frau mit Herz”, “Echo der Frau”, “Bild der Frau”, etc., etc. … Ihr wisst schon, all die Zeitschriften, die sich an die weibliche Bevölkerung Deutschlands richtet. Ja, Zielgruppe: um die 50, rheumagefährdet, Mittelstand, gelangweilt, nach der Oberschicht schielend, zwei Kinder und mit Dackel. Und während einige Patienten noch schnell ihren Moulliere memorierten, beschloss ich in die Welt der YELLOW-PRESS wegzutauchen.

YEP. Diana.
Auf fast jeder Titelseite steht die Ikone der Paparazzigier abgebildet. Und überall herrscht die Losung: De mortuis nil nisi bene! Auf gut Deutsch: “Diana - Vorbild und Heilige” oder auch “Diana - Gehasst, geschasst und ausgesetzt! Die wahre Geschichte über Hänsels Gretel”.

Diana als Vorbild?

Klar, GALA titelt dazu: “Diana-Prinzip: Erziehung mit Freude” Aber Diana als Heilige? Als Heiligenbildchen zum Sammeln? Kein Problem! “Neu! Diana Poster zum Sammeln!”(NEUE WELT) Aber Diana eine Heilige?!? Zumindestens “7 TAGE” fragt: “Ahnte Diana ihren Tod vorraus?” Schade, dass sie uns darüber nichts mehr erzählen kann. Aber so ganz stimmt das auch nicht. Diana muss einem Radakteur über dessen Layout-Monitor erschienen sein und ihm wichtiges verklickert haben. Denn FREIZEIT REVUE weiß um “Dianas Vermächtnis: Erspart den Kindern meine Tränen, gebt ihnen Liebe”. Aha. Im Jenseits kann man also auch weinen. Na, hoffentlich gibt’s dort auch Tempos, wenn ihr Rotz und Wasser übers Gesicht läuft …

A propos Gesicht:
FREIZEIT REVUE erkennt plötzlich auch “Prinz William: Er sieht Diana wie aus dem Gesicht geschnitten aus” und blickt vorwurfsvoll Richtung Hoheit: “Die Queen: Hat sie aus den Vorwürfen gelernt?” Gesichter sind Ansichtssachen. Oder Profilgeschichten? Und ein anderes Heft titelt passend dazu “So will Queen Mum die Prinzen vor ihrer Tochter schützen”. Gell? Da raucht schon der Schädel! Aber was hilft es. GALA analysiert gnadenlos “William & Henry: Freudlose Jugend - Milieuschaden der Monarchie” und “Die einsamen Prinzen”. Ich schaute mich dabei ganz vorsichtig um, in dem Wartesaal, und vor meinen Augen sah ich plötzlich eine neue Titelschlagseite von TITANIC sich im Raume materialisieren: “Die Kranken: Freudlose Patienten - Milieuschaden der Wartezimmer” …

NEIN. Ich blieb hart, verscheuchte diese Haluzi und griff nach dem nächsten Heft. Ja, was glauben wir eigentlich, wie gross unser Leid sei? Andere Leute leiden mehr: “Bitter für Camilla. Charles wird Diana ewig lieben” (ECHO DER FRAU) oder “Nach Dianas Tod Prinz William setzt sich durch: Charles verzichtet auf Camilla” (DAS NEUE). Na also: Das Schiksal von Charles ist schon beschlossene Sache. Charles wird zu einem auf ewig vor sich hintrauernden, zölibatären Mönch werden. “Prinz Charles, sein letztes Geschenk an Diana: Trennung von Camilla” (NEUE WELT).

Ach ja, da ist natürlich noch jemand, den die YELLOW PRESS weder vergeben und vergessen wird: Dianas Bruder. Der Typ hat doch Dreck am Stecken, oder nicht? Muss er wohl. “Er hütet das Grab seiner Schwester wie ein Schatz: Dianas Bruder lebt jetzt in Scheidung. Wie war das Verhältnis zu seiner Schwester wirklich?” (NEUE POST) Inzest? Vampirismus? Nekrophilie? “Geheimnis um Dianas Grab” (AKTUELLE) Hm. Da stimmt doch was nicht? Da versucht doch irgendwer was zu verbergen? “Diana: Neue Rätsel und Geheimnisse um ihren Tod und ihre Beisetzung” (FRAU IM SPIEGEL) Ha! Ich glaub, ich bin auf der richtigen Spur!! FRAU MIT HERZ: “Schrecklicher Verdacht. War der Sarg von Diana leer? Undurchsichtige Rolle des Geheimdienstes” Nein. Das geht mir doch schon etwas zu weit. Gut, Elvis ist sicherlich wieder weggeflogen (Quelle: Kinofilm “Man in Black”) und in dessen Sarg hatte man als Gewichtsersatz Wackersteine gelegt, Jim Morrison liegt wohl genauso wenig in seinem Sarg auf dem Pariser Friedhof wie Curt Cobain in seinem. Denn die machen sicherlich Urlaub in der Karibik und leben von den Tantiemen. Oder wie John Lennon. Der liegt allerdings wirklich nicht in einem Sarg. Der wurde eingeäschert …

Aber zurück zu Diana und unserer Gerontologen-Amussement-Presse:
SUPER ILLU, das Heimatblatt der Ostdeutschen, triumphiert schon mal “Die letzten Geheimnisse: Jetzt kommt alles raus!” (… aus dem Sarg?) Während noch NEUE WELT vorsichtig sich mit “Geheimdokumente: Die Todesumstände werden immer mysteriöser” an des Pudels Kern heran tastet, und BUNTE mal nicht von Tom Cruise angeblicher Vasektomie sondern von “Diana & Dodi: Ihr Tod wird immer geheimnisvoller” (Liebe BUNTE. Der Tod ist schon immer eine geheimnisvolle Angelegenheit. Bislang konnte noch keiner davon erzählen, wie er so ist. Oder habt Ihr wieder ein wahres Interview wie bei anderen Promis, denen Ihr danach Schadensersatz zahlen musstet?) plaudern wollen, redet DAS NEUE BLATT schon eher Tacheles: “So starb Diana wirklich … und ein neuer Familienskandal”. Nachtigall, ick hör dir trapsen! “Das Drama im Tunnel. Unfall oder doch Mord: 8 neue Theorien” (DAS NEUE). Na also! Das ganze war doch nur eine Inszenierung der Anti-Personenmienen-Rüstungsindustrie!!! Diana hat denen in die Suppe gespuckt und da haben die wohl zurück gerotzt …

“Diana: Neue Fakten. Alles spricht für Attentat” (NEUE REVUE). Na also. Da bin ich ja beruhigt. Und ich Dummerle hatte doch wirklich geglaubt, mit 1,75 Promille und den Segnungen der weltweiten Psychofarmakaindustrie versehen, könnte man einfach so - mir nichts, dir alles - eine Luxuskarosse (dessen Stern auch tagsüber in Stuttgart nicht untergeht) mit 195 km/h zersägen. Jaja, stimmt, jetzt wird ja über rotes italienisches Fahrzeug spekuliert, welches eventuell des Chaffeurs Defizite auf niederträchtigster Weise auffliegen ließ.

Rotes italienisches Fahrzeug?
Moment.
Da fällt mir was ein: Hat eigentlich schon jemand Michael Schumachers Alibi zur angeblichen Tatzeit kontrolliert? Ach nee, stimmt ja. Schumacher fährt ja Ferrrari und nicht Fiat. Obwohl, Ferrari gehört doch dem Fiat-Konzern!

Für mehr Spekulationen über den Tod der britischen Übermutter und Verkörperung der “Königin der Herzen” blieb keine Zeit, der Arzt rief mich rein.

Nur zwei Sachen vielen mir noch ein:

1. Als der Bruder von Diana in seiner ersten Stellungnahme über die Todesumstände seiner Schwester hinsichtlich der omnipräsenten Paparazzis sprach und erklärte, die Chefredakteure der YELLOW PRESS hätten jetzt Blut an ihren Händen, da hatte er wohl nicht vor Augen, welche ebenfalls blutgierige Meute mit dem Blut jetzt ernährt wird. Na, ich wurde diesmal auch mit ernährt.

2. Als ich letztens in einem CD-Laden “lustwandelte”, hing dort ein Zettel, dass Elton Johns CD-Single schon vergriffen sei, aber man könne ja auf die Aufzeichnung der Beerdigung auf CD zurückgreifen. Beim Durchblättern der YELLOW PRESS-Hefte wurden dort insgesamt (überschlägig geschätzt) an die 2000 CDs zur Verlosung ausgelobt. Ich habe so den Verdacht, die CDs wurden wahrscheinlich alle von den Print-Medien aufgekauft, um sie nachher zu verlosen … Oder haben die Hefte im Wartezimmer mir jetzt auch den restlichen Fünckchen Verstand geklaut? …

Wieso ich sowas schreibe?

Ich las gestern einen Artikel, dass der Fall “Diana” keine ernsthaften Konsequenzen für die “journalistische” Methoden der Paparazzi, geschweige denn für die Boulevard-Presse insgesamt haben wird. Der Presserat als Selbstkontrollorgan der Print-Medien lehnt schärfe Sanktionen gegenüber Zeitungen und Zeitschriften, die den Pressekodex verletzt haben, beispielsweise in der Form von Bußgeldern, weiterhin ab. Süddeutsche Zeitung Nr.216 v. 19.09.1997: “Wegen der Verletzung des Pressekodex rügte und mißbilligte der Presserat erneut mehrere Printmedien. Eine öffentliche Rüge sprach er gegen die BILD-Zeitung aus, die über den Selbstmord eines Krebsarztes in unverhältnismässiger Weise berichtet hatte. Eine nichtöffentliche Rüge erhielt der STERN für eine Passage in der Lebensgeschichte eines Sexualstraftäters, in der dieser ausführlich den Tathergang schilderte.”

Und dann noch das Gladbecker Geiseldrama 1989. Live im Fernsehen und Radio …
… war da was? …

Donnerstag, 30 August, 2007

Nostalgie

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 19:43

Na?

Wer erinnert sich noch?

'Nostalgie' von Careca

Übrigens.
Auf der Rückseite klebt noch das Preisschild:
“-,90″
… und davor verschämt senkrecht das Akrynom “DM”

Mittwoch, 29 August, 2007

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft …

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 6:30

Guten Morgen allerseits.
Hier ist die morgentliche Ansprache für das aufgeweckte Kind.

Heute schon etwas gegessen?
Vielleicht so etwas wertvolles wie ein kleines Steak?
Oder einen morgentlichen Döner mit viel Tsaziki und Zwiebeln, damit nachher gleich wieder ein frischer Wind in das Büroleben kommt?
Wir wissen ja nicht, was Schnappauf und Seehofer empfehlen. Aber die deutsche Fleischerinnung empfiehlt Fleisch. Weil das ist ja ein Stück Lebenskraft.
Wie beispielsweise Gammelfleisch. Verpackt und original umetikettiert in Bayern. Wo auch sonst? Denn das Fleisch war für den Erzfeind, dem Preußen in Berlin, bestimmt und seine Döner-Szene.

Und wenn uns das Fleisch mal ausgehen sollte, Alternativen gibt es zu Hauf. Wie wär’s mit einem Wiener Schnitzel? Original ausgeweidet und frisch zubereitet, aus der wienerischen Obdachlosenszenen frisch auf den Tisch.

Da grüßt Hannibal Lector hier unten gleich doppelt lieb …

hannibal

… da werd’ ich doch glatt wieder zum Salat-Fetischisten …

Dienstag, 28 August, 2007

Der Trojaner für den Bundestrojaner

Gespeichert unter: Blogroll — Careca @ 19:39

Da hat doch der Schäuble in seinem Rollstuhl drohend den Zeigefinger gehoben und allen potentiellen (jetzigen und zukünftigen) Daten-Highway-Terroristen mit dem “Bundestrojaner” gedroht.

Haben wir da richtig zusammen gezuckt.
Haben wir uns da beschwert.

Aber inzwischen haben uns die Chinesen mal so richtig gezeigt, was so ein Trojaner wirklich kann. Gigabyteweise wollten sie von der Bundesregierung Daten downloaden.
Ohne Vorankündigung.
Da hat dann des Schäubles Zeigefinger vor Schreck richtig stark wie ein Wackeldackel gewackelt.

Inzwischen ist die Angela Merkel nach China und dort loben die chinesischen Journalisten ihre Offenheit. Auch die anderen Chinesen begrüßten den Austausch mit der Kanzlerin.
Jetzt wissen wir, welche Offenheit und welcher Austausch damit gemeint war …

Tja, liebe Leute, der “Bundestrojaner” ist nur ein lauer Vorspülgang.
Andere kündigen erst gar nicht an, dass sie mit aller Macht zuschlugen und zuschlagen können.
Freut euch, wenn China den Zensus in Deutschland ohne unsere Zustimmung mal eben schnell durchführt. …

Von “Ihr Kinderlein kommet” wieder ins “Gangsta-Paradise”

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 6:31

Ein Gespenst in Deutschland durchtrampelt die Medien:
Das Wort von der “Kinderarmut”.
Als es mir zum ersten Mal begegnete, wurde es in Verbindung mit dem Wort “Pillenknick” verwendet.
Doch die Zeiten ändern sich. Immer häufiger beschreibt es den monetären Besitzstand der Kinder und meint damit Kinder, denen zuwenig Geld zum Leben zur Verfügung steht.

Vor einem Jahr wurde das Wort “Kinderarmut” in einer heftigen Werbekampagne für mehr Kinder von von der Leyen verwendet. Männlein und Weiblein sollten mehr Kinder machen, damit die Kinderarmut der Familien zurückgehe und unser gesamtes wirtschaftliches System nachher nicht am Rentenstock gehe.

Dann kam die WM. Fast jede Zeitung und jeder Boulevard jubelte danach genau abgezählte 9 Monate nach dem WM-Abpfiff über einen vermeintlichen Babyboom.

Jetzt ist das Wort “Kinderarmut” wieder dort angekommen, wo es sich vorher befand:
Bei “Hartz 4″ und deren Empfängern.
Die gefühlte Bedrohung durch “Kinderarmut” und deren Folgen (wie Gewalt an Schulen) hat sich verstärkt. Jetzt wird wieder darüber berichtet. Und auch über “Hartz 4″-Empfänger, die deren Kindern wieder alles weg saufen. Oder über jene Gangsta-Rapper, die ja ach-so-brutal die Realitäten überzeichnet darstellen. Über jene Gangsta-Rapper, die verhindern, dass Kinder diesen Spagat zwischen Erfolg (”Reich”, “cool”) und Erfolglos (”Arm”, “Loser”) demütig einfach so weg stecken.

Im Fernsehen wimmelt es von Casting-Shows, die die “Coolness” des Erfolgreich-sein gebetsmühlenartig vorkauen, oder von Doku-Soaps, die dem Zuschauer vorgaukeln, dass das Glück, die Zufriedenheit und die geheilte Welt mit der Kamera ins Haus kommt. Zeigt nicht die Fernsehrealität, dass der arme Mob selber Schuld an seiner Armut ist?

Nur, die Straße ist härter. Dort pflastern andere Regeln den Kindern den Weg ins Leben. Geld besorgt eine andere Pflasterung der Straße. Das weiß die “PS”-Generation. Das weiß die “Vodka Bull”-Generation. Das weiß sogar die alte “Generation X”.
Sozialen Gegebenheiten und Randbedingungen seitens der öffentlichen Gemeinschaft kennt keiner besser als diejenigen, die das Wort “Kinderarmut” mit erleben. Die Kinder einerseits. Aber auch die “Street Worker” beispielsweise andererseits. Aber für beide steht inzwischen immer weniger Geld zur Verfügung.

Vielleicht sollte als Triviallösung die eine Kinderarmut mit der anderen Kinderarmut verknüpft werden, um die andere Kinderarmut zu senken?
Gummis und Pille für alle?
Oder vielleicht doch lieber ein nachhaltiges Programm durchführen?

Wobei, nur im nicht funktionierenden Kommunismus wurde umverteilt. Ein hemmungsloses, aber völlig unchristlich gemeintes “Ihr Kinderlein kommet” war nicht das Thema. Denn die Kinderlein kamen und den Eltern wurde immer unter die Arme gegriffen.

Freilich überhaupt nicht uneigennützig. Aber in Deutschland ist das alte Sprichwort “Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing” eine Blutsangelegenheit. Deutsche haben ja noch nicht mal den “Lebensborn” als pervers verdammt, weil er ja in den eigenen Kram passt und der Brotgeber sowieso sein Volk “über alles” singen ließ.

Im real existierenden Kapitalismus und Heuschrecken-Zeitalter jedoch ist jeder Frömmste seines Glückes eigener Schmied. Aber nur soweit es dem bösen Nachbarn gefällt. Dann wird auch mal zurück gekeilt. Eben ein Gangsta-Paradise.

Nun, ich bin mal gespannt, wohin sich diesmal die Diskussion um “Kinderarmut” hin entwickelt. So als Ende der “Saure-Gurken-Zeit” in einem Sommerloch taugt solch eine Diskussion ja immer.

Nebenbei: Was ist übrigens das Gegenteil von Kinderarmut im wirtschaftlichen Sinne?

Sonntag, 26 August, 2007

Sonntagszitat

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 10:46

  Die ersten vierzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig den Kommentar dazu.

von Arthur Schopenhauer

Sonntagszitat

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 10:42

  Die ersten vierzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig den Kommentar dazu.

von Arthur Schopenhauer

Freitag, 24 August, 2007

Immer schön sauber bleiben!

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 22:58

Günter Nooke ist Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung verlangte neulich, dass wir im Urlaub auf Menschenrechte über den normalen Touristenzaun hinaus achten sollen.

Also nicht nur einfacher Urlaubs- und Erholungskonsument sein:
Sondern kritischer Urlauber mit ethischem Anspruch und der Moral im Gepäck.

Einfacher gesagt ist das so etwas, wie wenn man sich im Supermarkt die BILD-Zeitung kauft und dann an der Kasse entschuldigend sagt:

 ”Ich weiß, dass die wie gedruckt lügen. Ich kauf’, sie mir auch nur wegen dem Sport.”

 Oder beim Playboy-Kauf:

 ”Frauenverachtend, diese Zeitschrift. Aber ich kaufe sie mir ja nur wegen den Interviews.”

 Oder das Sechser-Pack HAPPY WEEKEND aus dem Beate-Uhse-Laden. Man schaut die attraktive Verkäuferin servil an und bemerkt:

 ”Ich weiß, absolut pervers. Aber meine Frau braucht sie zum Draufsteigen, damit sie beim Geschirreinräumen an die oberen Regale kommt.”

 So in etwa hat sich das wohl Günter Nooke vorgestellt, wenn wir unsere Urlaubstage verbringen.
“Political correctness” wohin das Auge schauen kann.
Also überall dort, wo man sonst seinen Allerwertesten nie hoch kriegt.
Zum Beispiel am Strand auf dem Strandtuch.
Oder so.

Jetzt hatte ich doch letztens überraschenderweise einen Urlaubstag.
Und wo habe ich den verbracht?
Natürlich nicht auf Balkonien oder Terassien.
Sondern nur dort, wo es ein Herr Nooke auch sehr gern sehen würde.
Draußen vor der Tür.
Vor der eigenen Tür.
Oder etwa nicht?

So brach ich also zu meinem Lieblingsspanier auf.
Der nahe der Flaniermeile.
Zum Brunchen.
Ein kleiner, unterwürfiger Inder räumte mir lächelnd neues Geschirr auf meinem Tisch und nahm meine Bestellung entgegen.
Ich ergriff mir die “Süddeutsche Zeitung” und studierte das Dickgedruckte. Die Druckerschwärze präsentierte sich mir wie üblich gleichmässig lückenlos aufgetragen, als der Besitzer mit seiner Zigarillo bei mir vorbei kam.
Mit leichtem spanischen Akzent fragte er mich höflich, ob alles zu meiner Zufriedenheit sei. Ich studierte gerade die Preisangabe der Zeitung und ohne aufzublicken, nickte ich und bemerkte nur:

“Dass du mir deine Inder nur gerecht bezahlst und sie nicht unnötig schlägst, okay!”

Seine Zigarillo-Reste fand ich darauf in meinem Kaffee, auf meinen Croissants und auf dem Serano wieder.
Ein ungehobelter Rohling.

Die Sonne hatte gerade ihren Zenit überschritten, als ich das gleiche mit der Schwelle zu einem Teppichdiscounter tat. Viele billige und auch bunte Teppiche lächelten in den verführerischsten Formen. Ein Türke, offenbar der Besitzer trat auf mich zu und fragte mich ob meines Wunsches. Ich nutzte die Gelegenheit und ermahnte ihn zuerst deutlich vernehmbar, keine von Kinderhände geknüpften Teppiche zu verkaufen.
Und ging dann schlendernd in seinem Laden auf Rundreise.
Als ich einen interessanten indischen Teppich sah und mich nach dem Preis erkundigen wollte, war niemand in der Nähe.
Vielmehr erschien es mir sogar, als würde man mir ausweichen.

So disponierte ich um und ging zum McDonalds.
Dort sind alle Produkte aus deutschen Landen und da dort die Milch zum Wohle notdarbender Landwirte angeboten worden wird, beließ ich es bei sechs Cheeseburger mit Pommes und verbiß mir die Frage nach ökologischem Fleischanbau und biodynamisch gebrauter Cola.

Zur Verdauung - es war schon so gegen fünfe - setzte ich mich in einem Straßencafe und bestellte mir einen Fair-Trade-Kakao. Den Kellner machte ich noch darauf aufmerksam, dass ich keine Schuhputzer vor mir auf Knieen rutschend haben möchte.
Er sah mich verständnislos an. Aber man weiß hier ja inzwischen nie wirklich.
In diesen Hartz-4-Zeiten.
Vorbeugen ist besser als gar nichts.

Nach zwei fair-gehandelten Kakaos und vier Bier später, beschloss ich noch ein wenig ins Rotlichtviertel zu gehen.
Hm.
Danach hatte ich aber nen Filmriß.

Nachdem ich erwacht war, meinte der Polizist an meinem Bett noch zu mir, ich sollte demnächst erst denken und dann reden. Ich hätte wohl nach Zeugenaussagen im Puff zu den Zuhältern im Hinterzimmern geschrien, dass ich erstens keine beschnittene Nutten dulde, zweitens meine Nutte ihr Geld ganz behalten dürfe und drittens gäbe es Prügel von mir, wenn ich nur eine zwangsverschleppte Ruhrgebietsnutte hier unterhalb des Weißwurstäquators entdecken sollte …
Die Luden sollen - nach Angaben des Polizisten - deswegen ein wenig verstimmt gewesen sein.

Egal.

Morgen brauch’ ich meine Brötchen nicht mehr aus der Schnabeltasche zu lutschen.
Dann werde ich Günter Nooke einen Brief über meinen Erfahrungen mit “political correctness” während meines Urlaubstages in München schreiben.

Ob er mir nen Orden dafür schickt?

Donnerstag, 23 August, 2007

Das Bild des Tages von gestern

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 23:09

Bild’ dir deine Meinung!

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Sonntag, 19 August, 2007

Immer jemand, wer die Wahrheit spricht …

Gespeichert unter: Notizen an das Leben — Careca @ 22:24

Nein, nicht Alice Schwarzer, die für ihr Leib- und Magenblatt die BILD-Zeitung wirbt, damit nicht nur Männer allein für diesen schmutzigen Boulevard werben.

Nein.

Die echte Frage ist:

Wie lautet die Bezeichnung für den jungen Mann vom unteren Bild, der um seine Tina an jeder Bushaltestelle im Auftrage der BILD wirbt?

Bild-Stalker


STALKER!

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