Notizen aus der Provinz

Dienstag, 15 Mai, 2007

Urlaub in Bayern (Ein Kinderaufsatz)

Gespeichert unter: Ueber das Lachen — Careca @ 12:58

Letztes Jahr im Sommer waren wir in Urlaub in Bayern. Meine

große Schwester Jessica, meine Eltern und unser Hund Burgsmüller.

Ich war auch dabei und ich heiße Torsten und bin sieben

Jahre alt. Meine Eltern waren schon öfters in Bayern, aber

für mich war es der erste Urlaub im Ausland, weil ich bisher nur

in Bibione war. Bayern wäre eigentlich sehr schön, aber man

sieht es kaum, weil überall Berge davorstehen und es verdecken.

Sehr cool sind manche Häuser. Sie sind tätowiert, zum Beispiel mit einem

Hirsch, einem Berg oder einem Baum. Aber weil die Bayern das Wort „Tatoo“

noch nicht kennen, sagen sie „Lüftlmalerei“ dazu.

Die Bayern sind lustige Menschen und lachen viel mehr wie die Leute bei uns

zu Hause. Sie mögen uns sehr, denn wenn sie uns sehen, lachen sie noch

mehr. Viele heißen Sepp, die meisten jedoch „Hä“. Das lustige in Bayern ist

die Sprache. Manche können deutsch, aber nicht alle. Der Ort, wo wir in einer

Pension gewohnt haben, war da, wo Bayern „Oberpfalz“ heißt und da ist die

Sprache echt krass. Als wir einmal gewandert sind, sind wir an einem Bauerhof

vorbeigekommen und davor saß ein alter Mann auf einer Bank, aß ein

Stück Torte und trank dazu eine Flasche Bier. Mein Vater sagte zu ihm, dass

schönes Wetter ist und der Mann meinte „Loumameirouh“!

Das heißt wahrscheinlich „Guten Tag“. Ich wollte es gleich ausprobieren, ob

ich die Sprach auch kann und sagte zu dem Mann „Loumameirouh“. Er blickte

aber sehr böse und sagte zu mir „Saubougejbloßzou“. Da sagten wir lieber

nichts mehr und gingen weiter, weil wir ihn nicht reizen wollten. Der Mann

stand dann auf, stöhnte und sagte: „Ohboudescheißschouh“.

Das heißt wahrscheinlich „Tschüss“ oder so.

Gut gefallen haben wir in Bayern die Feste. Irgendwo ist immer eines. Da sitzen

dann die Bayern und trinken Bier aus gläsernen Eimern, die sie „Maß“

nennen. Die Frauen haben kleinere Eimerchen, die heißen „Halbe“. Normale

Gläser gibt es nur für Kinder oder ganz alte Frauen. Wir sind auf einem Fest

gewesen, und es war sehr schön. Ich habe Pommes mit Ketschup gegessen,

meine Schwester Jessica nichts wegen der Kalorien und meine Mutter ein

halbes Hähnchen namens „Hendl“. Der Papa hat weisse Spiralen gegessen,

die „Radi“ hießen und dazu einen Einem Bier. Er sagte, das Radi rumort ganz

doll in seinem Bauch und als er rülpste, fiel meine Mutter beinahe das Hähnchen

hinunter.

Wenn die Bayern einige Eimer Bier getrunken haben, schlafen sie ein oder

sie reden in einer Geheimsprache, die man nicht versteht. Es sind nur sehr

kurze Wörter und mit dessen reizen sie sich gegenseitig, bis sie raufen.

Auf dem Fest, bei dem wir waren, konnte man dies sehr schön beobachten.

An unserem Nachbartisch im Bierzelt saßen einige Bayern mit ihren Eimern.

Zuerst lachten sie und guckten zu uns herüber. Einer von ihnen konnte sogar

italienisch, den er sagte zu meiner großen Schwester immer „Dipackiano“.

Sie verstand ihn aber nicht, weil sie nicht italienisch spricht. Plötzlich kam ein

anderer Bayer am Nachbartisch vorbei und schon spielten sie das lustige

Spiel: „Erst reden, dann raufen“. Einer von denen, die am Tisch saßen, sagte

zu dem, der vorbeiging: „Hä“! Darauf sagte der Vorbeigehende: „Wos hä“?,

worauf der andere ziemlich böse meinte: „Hä, gell hä“! Das hätte er vermutlich

nicht sagen sollen, denn der Vorbeigehende sagte nur mehr: „Pass bloß

aaf, hä“ - und schon rauften sie. Obwohl es ziemlich lustig war, gingen wir,

denn meine Mutter mag keine Gewalt.

Etwas anderes ist mir auch noch aufgefallen in Bayern. Bayern reden nicht so

gerne wie wir. Manche sind beinahe stumm. Dies kann man am besten im

Wirtshaus sehen. Eines Abends ging mein Vater mit mir ins Dorfwirtshaus

und wir bestellten Bratwürste mit Kraut, die sehr lecker schmeckten. Es waren

außer uns nur zwei Einheimische da. Diese saßen am Stammtisch, tranken

Bier und schwiegen. Mein Vater sagte freundlich zu ihnen: „Die Bratwürste

schmecken hervorragend, meine Herren“! Sie aber schwiegen weiter. Sie

sagten zu meinem Vater nichts, zu mir nichts und zu sich auch nichts.

Wenn sie nicht ab und zu vom Bier getrunken hätten, hätte man meinen können,

sie seien tot.

Plötzlich, nach ungefähr einer Stunde, tat sich etwas. Einer von den beiden

seufzte „jamei“, und wir dachten jetzt beginnt ein Gespräch. Doch der andere

sagte nur „owa ehrlich“, und das war es dann.

Mein Vater machte noch einen Versuch und rief hinüber: „Es gefällt uns sehr

gut hier bei Ihnen in Bayern! Wir waren auch schon auf dem Feuerwehrfest!

Da gabs eine zünftige Rauferei! Haha! Waren Sie auch schon auf dem Fest,

meine Herren“? Da sagte ein Bayer zum anderen: „Eam schau o“. Dann war

es wieder ruhig. Dies war meinem Vater dann doch unheimlich und wir zahlten

und verließen den stillen Ort. Beim Hinausgehen sagte Papa noch zu den

Männern: „Gute Nacht, die Herren! Ich wünsche noch einen schönen Abend“!

Sie wünschten uns nichts.

Aber die Bayern sind nicht immer so mürrisch. Zum Beispiel sind sie richtig

lustig, wenn sie sich gegenseitig beleidigen. Das gefällt ihnen scheinbar sehr.

Als mein Vater und ich einmal in unserem Urlaubsort in der Dorfmetzgerei

einkauften, kam ein Bayer herein und sagte zum Metzger: „Servus Hans, du

oider Hunzkrippl“! Da lachte der Metzger und sagte: „Habe d`Ehre Sepp, du

Berner, du greislicher“! Sepp, der Berner, freute sich sehr über die nette Begrüßung.

Als noch ein weiterer Bayer hereinkam, wurde die Stimmung immer

besser. Er begrüßte die anderen beiden mit einem herzlichen „Ja, do schau

her, da Sepp und da Hans! Griaß Eich, ehs Schlawiner, es elendigen“!

Auch Hans, der Hunzkrippl und Sepp, der Berner, begrüßten den Neuankömmling

und riefen: „Ja griaßde Franz, oider Suffbeidl, stingerter“!

Franz Suffbeutel war total begeistert und lachte über das ganze Gesicht.

Dann sagte Sepp, der Berner, zu Hans, dem Metzger bzw. Hunzkrippl: „Hä

Hans, gib ma amol drei Boor vo deine greislichen Pflälzer, du Leitbscheißer,

du windiger“! Metzger Hans meinte dazu: „Für dein Saumogn taugns allawei!

No, du gschwollkopferter Bauernfünfer, du staubiger Bulldogmißhandler, du

grausamer“!

Es gibt scheinbar nicht schöneres für einen Bayern, als beleidigt zu werden,

denn sowohl Hans, der Leutebescheißer als auch Sepp, der Berner und Bauernfünfer

und Franz Suffbeutel waren in einer Super-Stimmung und lachten

herzhaft.

Mein Vater meinte zu mir: „Pass auf Jochen, jetzt mache ich auch mit bei

dem Spaß“! Dann sagte er zum Metzger: „Geben Sie mir bitte hundert

Gramm von ihrer verfaulten Salami, sie Vollidiot“!

Plötzlich lachte keiner mehr und alle sahen meinen Vater an, sogar die alte

Frau, die im Laden war. Der Metzger sagte mit finsterem Gesicht: „Schau

bloß dass du weidakimmst, du Preissnschädl, du gfotzerter“!

Das habe ich zwar nicht genau verstanden, aber es hörte sich nicht gut an

und wir verließen ohne Wurst die Metzgerei. Wahrscheinlich ist „Vollidiot“ eine

Beleidigung die die Bayern nicht kennen und deshalb freuen sie sich nicht

darüber.

Sonst war es in Bayern sehr schön, besonders die Pommes und das Eis. Ich

habe mich sehr gefreut, denn ich durfte abends immer mit vier Jungs aus

dem Dorf Fußball spielen. Die bayerischen Jungs sind echt nett, sie ließen

mich sogar den Ball holen, wenn er in Nachbarsgarten geflogen war und sagten,

das ist eine große Ehre für mich. Als ich den Ball wieder herausgeholt

hatte, sagten sie, dass es nicht nur eine große Ehre, sondern auch ein großes

Glück für mich war, weil heute scheinbar der Kampfhund nicht zu Hause

ist. Das ist doch voll lustig, oder?

Ich habe mir extra die Namen der Jungs notiert, damit ich ihnen nach dem

Urlaub schreiben kann. Sie heißen Ülcgür, Ferdl, Erdal-Alois und Kilian.

So, das wars.

Ich freue mich schon auf den nächsten Urlaub in Bayern, weil Bayern ist voll

cool.

Vorher kaufe ich mir noch ein Wörterbuch.

1 Kommentar »

  1. kackdiewandan is des geil hey!

    Kommentar von lol — Mittwoch, 20 Februar, 2008 @ 13:07

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